Dienstag, 20. März 2012

Amazon kauft Kiva Systems für 775 Mio. USD und kann damit die Effizienz der Intralogistik steigern

Amazon setzt seinen Kurs fort und investiert weiter massiv in Logistik.
Amazon investiert zum Einen von Jahr zu Jahr konsequent in den Lieferservice Amazon Prime, um damit Kunden zu gewinnen und zu binden. Laut dem 10-K SEC Filing hat Amazon weltweit in 2011 mit 2,4 Mrd. US-$ (1,4 Mrd. US-$ in 2010) den Lieferservice "gesponsort".
Zum Anderen investiert Amazon rigoros in neue Fulfillment-Zentren / Logistikzentren - allein in Deutschland wurde gerade ein weiteres in Rheinberg eingeweiht und zwei weitere sollen dieses Jahr in Koblenz und Pforzheim mit einer Gesamtgröße von ca. 110.000 Quadratmetern eröffnet werden.
Aber das ist nicht Alles - Wie gerade bekannt wurde, wird Amazon Kiva Systems für 775 Mio. US-$ kaufen (siehe auch Exciting Commerce).
Mit Kiva Systems kann Amazon die Effizienz der Intralogistik steigern und den Wettbewerbsvorsprung weiter auszubauen. Es handelt sich bei Kiva um ein „goods-to-person“ Automatisierungssystem zur Optimierung der Auftragsabwicklung in Lagerhäusern. Die dynamische Lagerhaltung & Kommissionierung erfolgt durch autonome Kleinroboter-Systeme. Dabei erfolgt die Anlieferung eines Warenregales (angehoben durch Hebemechanismus im Roboter) aus dem Lager zur Arbeitsstation des Pickers.
    
Mehr dazu z.B. bei neuerdings, bei Businessweek und in einem ausführlicheren, lesenswerten Beitrag von Jörn Voortmann in seinem Blog "eCommerce Systems" - er verweist auch auf ein interessantes Video:

Einen Überblick über das Gesamtsystem von Kiva Systems gibt es hier. Interessant auch die White Paper von Kiva Systems:
  • "Using Distribution and Fulfillment as Strategic Weapons" (hier PDF nur nach Anmeldung)
  • "Fulfillment 2.0: Tackling the Seven Critical Fulfillment Challenges of eCommerce" (hier PDF nur nach Anmeldung)
  • "Creating a Distribution Powerhouse: Why Rapid Deployment Matters" (hier PDF nur nach Anmeldung)
 
Die Besonderheit von Kiva Systems ist, dass es sich dabei um eine der effizientesten und ökonomischsten Intralogistiklösungen handeln soll, die angeblich z.B. bei Zappos zu Einsparungen von bis zu 50% der Arbeitskraft geführt hat. Weiter erfolgt eine automatische, kontinuierliche Optimierung der Lagerinfrastruktur und dynamische Selbstorganisation des Systems. Kiva Systems soll sich durch hohe Flexibilität und hohe Skalierbarkeit auszeichnen - die flexible API-Architektur / Schnittstelle ist Standard-Bestandteil der Komplettlösung. Kiva Software integriert sich scheinbar nahtlos in große kommerzielle Lagerverwaltungs-systeme und Enterprise-ERP-Systeme.
 Aus diesen Gründen werden die kleinen Roboter von Kiva Systems u.a. bereits bei Diapers, Zappos, Staples, GAP, Office Depot etc. eingesetzt.

Wenn man dies alles liest, fragt man sich, warum es noch keine Installation von Kiva Systems in Europa gibt?
Ich finde es auf jeden Fall beeindruckend, wie massiv amerikanische Online-Händler, die bereits in vielen Fällen als Service-Leader gelten und hinsichtlich Customer Experience bereits einen klaren Wettbewerbsvorsprung haben, in die Verbesserung ihrer Services / Logistik investieren.

Und es bleibt die Frage, welches deutsches Unternehmen kann dem Paroli bieten? Zalando? Oder Otto mit Hermes? Ich befürchte das wird eng.

Kommentare:

  1. Einspruch... Kiva betreibt in UK ein Lager für GAP und eröffnet gerade eins für Timberland in Amsterdam. Gerade haben sie auf der Logimat ausgestellt - es ist für mich nur eine Frage der Zeit, bis sie in D auch aktiv werden. Der Ex-Conrad-Logistikchef Bernd Kratz macht sich sehr stark für das System, und der versteht nun wirklich was von Versandlogistik. Ich stelle gerne mal den Kontakt zu ihm her, wenn einer daran Interesse hat.

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  2. Crate and Barell hat das System bereits installiert. Erfahrungen in der Otto Group gibt es also bereits seit rd 5-6 Jahren.

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