Donnerstag, 19. Juli 2007

E-Commerce hat erstmals den größten Umsatzanteil am gesamten Distanzhandelsmarkt

Wieder hat der Bundesverband des deutschen Versandhandels (bvh) die aktuellen Zahlen für den Versandhandel / Distanzhandel veröffentlich. Hier die Links dazu:

Aufs Neue zeigt sich, dass die hohe Wachstumsdynamik des E-Commerce weiterhin zu Umsatzzuwächsen und zu Veränderungen im gesamten Distanzhandel führt. Insgesamt ein neuer Umsatzrekord für den deutschen Distanzhandel.

Jochen Krisch setzt sich in seiner ersten Einschätzung in Exciting Commerce mit diesen Zahlen auseinander.

Diese insgesamt sehr erfreuliche Entwicklung für den Distanzhandel im Allgemeinen und für den E-Commerce im Besonderen, habe ich mir ebenfalls mal genauer angeschaut.

Nach meiner Interpretation lassen die Daten folgende Thesen zu:

  • Die E-Commerce-Umsätze sind in den letzten Jahren sehr stark gestiegen und erreichen in 2007 über 13 Milliarden EURO.
  • E-Commerce hat erstmals den größten Umsatzanteil am gesamten Distanzhandelsmarkt.
  • Das Wachstum des Distanzhandels findet ausschließlich im E-Commerce statt.

Zu den einzelnen Thesen:

Die E-Commerce-Umsätze sind in den letzten Jahren sehr stark gestiegen und erreichen in 2007 über 13 Milliarden EURO

In den Daten des bvh, wird der Gesamtumsatz im E-Commerce aus der - für die Multi-Channel-Versender wichtigen - Frage nach dem Bestellweg abgeleitet.
Meines Erachtens ergibt sich ein deutlicheres Bild, wenn man versucht die Umsätze dort anzusiedeln, wo sie originär herkommen. D.h. wenn ein Kunde in einem Onlineshop einen Artikel entdeckt und ihn dann über das Telefon bestellt, ist es für mich ein Umsatz, den man dem E-Commerce zurechnen sollte.

Aufgesplittet auf die einzelnen Segmente weist der bvh in 2007 folgende Umsätze im Distanzhandel aus:


Zu den Umsätzen des E-Commerce zählen für mich folgende Umsätze:

  • Internetumsätze der Multi-Channel-Versender in Höhe von 4,3 Mrd. (laut der Rede des bvh-Präsidenten)
  • Internet-Pure-Player (3,255 Mrd.) und Ebay-Powerseller (2,503 Mrd.)
  • Portale mit mehreren Anbietern (0,115 Mrd.)
  • Apothekenversender (0,341 Mrd.)
  • (Internet-)Versender, die Heimat im Stationärhandel haben - z.B. s.Oliver laut Rede des bvh-Präsidenten - (0,672 Mrd.)
  • (Internet-)Hersteller-Versender - z.B. Douglas laut Rede des bvh-Präsidenten - (0,504 Mrd.)
  • Sonstige - vom bvh nicht näher erläutert - (1,692 Mrd.)

Somit beträgt der E-Commerce-Umsatz mit Waren in Deutschland rd. 13,4 Mrd. EURO. Hier die summierten Werte in der Übersicht:




E-Commerce hat erstmals den größten Umsatzanteil am gesamten Distanzhandelsmarkt

Mit einem gesamten E-Commerce-Umsatz von rd. 13,4 Mrd. kommt es zu einem historischen Moment im Distanzhandel: Zum ersten Mal ist der E-Commerce in Deutschland die größte Umsatzquelle im Distanzhandel - noch dicht gefolgt von den Katalogumsätzen.




Das Wachstum des Distanzhandels findet ausschließlich im E-Commerce statt

Doch der E-Commerce ist nicht nur die größte Umsatzquelle, sondern auch das einzige Segment mit wachsenden Umsätzen. Hier die prozentualen Veränderungen beim Umsatz im Vergleich zum Vorjahr:




Wenn man sich die einzelnen Zahlen anschaut, ergibt sich folgendes Bild:
  • Die gesamten E-Commerce-Umsätze wachsen um 17%.
  • Die größten Wettbewerber im E-Commerce - die Multi-Channel-Versender und die Internet-Pure-Player - wachsen unterdurchschnittlich mit 8 bzw. 9%. Trotzdem bedeutet dies absolut ein sehr hohes Umsatzwachstum, da die Multi-Channel-Versender und die Internet-Pure-Player, mit 32 bzw. 24% Anteil am gesamten E-Commerce-Umsatz, mit Abstand die größten Wettbewerber im E-Commerce sind.
  • Ebay-Powerseller, Apothekenversender, (Internet-)Versender, die Heimat im Stationärhandel haben und Sonstige wachsen überdurchschnittlich mit 26, 28, 29 bzw. 23%.
  • (Internet-)Hersteller-Versender und Portale mit mehreren Anbietern wachsen sehr stark mit 105 bzw. 174%. Allerdings haben diese auch nur einen sehr geringen Umsatzanteil in Höhe von insgesamt rd. 5%.


Mein Fazit: Insgesamt eine sehr erfreuliche Entwicklung. Die wachsenden Umsätze im E-Commerce zeigen, dass die Anstrengungen aller Wettbewerber in diesem Bereich Früchte tragen. Ich bin überzeugt, dass dieses Marktwachstum sich fortsetzen wird und auch weiterhin neuen, frischen Geschäftsideen die Chance bietet, daran überproportional zu partizipieren.

Weitere lesenswerte Artikel zu diesem Thema gab es schon zur Jahrespressekonferenz des bvh in 2006:


Abschließend noch ein Hinweis zu diesen Zahlen: Es handelt sich um eine sehr grobe Abschätzung auf Basis der veröffentlichten Informationen. Die Marktanteile sind deshalb nur grobe Anhaltspunkte, welche die starken Veränderungen im Markt verdeutlichen sollen.

Letzte Anmerkung: Das eBay nur mit rund 2,5 Mrd. EURO in das gesamte Marktvolumen einfließt, halte ich für zu gering.
Aus meiner Sicht müssten eBay-Umsätze mindestens in Höhe von 3,5 Mrd. EURO berücksichtigt werden, um ein noch realistischeres Bild des Distanzhandelsmarktes in Deutschland abzubilden.

Erläuterung: In 2006 betrug das Handelsvolumen von eBay in Deutschland ca. 8 Mrd. EURO (eigene Ableitung aus dem gesamten Handelsvolumen weltweit und den Wachstumsraten in den einzelnen eBay-Regionen, da eBay kein isoliertes Handelsvolumen für Deutschland veröffentlicht hat).
Aus meiner Sicht wäre eine Berücksichtigung aller Neuwarenumsätze oder aller gewerblichen Umsätze passender.
Der Anteil der Neuware am Umsatz der klassischen Versandhandelssortimente auf Ebay liegt mittlerweile bei ca. 65% (eigene Analysen). Der Umsatzanteil der gewerblichen Verkäufer in den klassischen Versandhandelssortimenten liegt inzwischen bei ca. 50%.
Der Anteil der Warensortimente am Umsatz bei eBay Deutschland (d.h. ohne Autos, Motorräder, B2B, Reisen, Tickets und Immobilien) beträgt schätzungsweise rund 80%.

Kommentare:

  1. ... und neckermann.de hat im ersten Halbjahr 50 % online-Anteil und peilt 70 % an. Von anderen Versendern weiß ich, dass die Neukunden zu wenigstens 50 % über das Internet gewonnen werden. Also ein eindeutiger Trend.

    Eine kritische Anmerkung allerdings: Wenn alle die Umsätze E-Commerce-Umsätze sind, bei denen zuerst der Onlineshop besucht wurde (auch wenn dann am Telefon bestellt wurde), dann müssten doch eigentlich alle die Katalog- oder Filialumsätze sein, wo zuerst in Katalog geblättert oder die Filiale besucht wurde, oder? Und der bvh hat in der Umfrage rausgefunden, dass 70 % der Online-Käufer zuerst im Katalog geblättert haben.
    Ich halte die Zahl für zu hoch - sie gilt bestimmt nicht für jeden Online-Kauf. Aber zumindest ist für die Online-Umsätze der Multichannel-Versender doch auch ein bedeutender Anteil in diesem Sinne den Katalogen zuzurechnen.

    Trotzdem: Nach meinen eigenen Studien (schon im Februar im "Versandhausberater" veröffentlicht) hat das Internet als Kaufweg 2006 erstmals den Katalog überflügelt. Nach Altersgruppen gesplittet war das vor drei Jahren bei den bis 29jährigen der Fall, vor zwei Jahren bei den bis 39jährigen, und vergangenes Jahr bei den bis 49jährigen. Gemeinsam haben sie dann die große Zahl der (typischerweise etwas älteren) klassischen Versandkunden überflügelt.

    Grüße aus Bonn,
    Martin Groß-Albenhausen
    www.versandhausberater.de

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  2. Hallo Herr Groß-Albenhausen,

    es freut mich, dass Sie den ersten Kommentar in meinem gerade reaktivierten Blog schreiben.

    Natürlich ist auch meine „grobe“ Zuordnung der Umsätze längst nicht präzise. Doch ein wirklich realistisches Bild der Umsatzverteilung würde sich nur bei Verwendung von real getätigten Umsätzen ergeben. Die Frage nach dem Bestellweg ist für Multi-Channel-Versender sehr wichtig. Bei Internet-Pure-Playern, Portalen mit mehreren Anbietern, Apothekenversendern und z.B. s.Oliver oder Douglas halte ich sie nicht für zielführend, um ein Verständnis für Marktanteile der einzelnen Wettbewerbergruppen zu bekommen.

    Schön, dass wir beide trotzdem zu der gleichen Schlussfolgerung kommen, dass E-Commerce inzwischen den Katalog überholt hat.

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