Freitag, 12. April 2019

Die besten Online-Anbieter für Second-Hand-Fashion 2019 - Passion for Slow Fashion - nachhaltig online Mode konsumieren - Part 2


Im letzten Blogbeitrag Passion for Slow Fashion - nachhaltig online Mode konsumieren (Second-Hand-Fashion online kaufen, Mode online leihen oder tauschen) - Part 1 habe ich einen Schnappschuss über nachhaltige Konsum-Modelle für Fashion gegeben.
Ein bewussterer und entschleunigter Umgang mit Mode gewinnt zum Glück weiter für viele Kunden an Bedeutung. Der faire und nachhaltige Konsum von Mode wird für viele (insbesondere jüngere) Menschen immer wichtiger. Und auch die Ansprüche passionierter Modeliebhaber oder die Bedürfnisse der Instagram-Generation lassen sich heute mit einem nachhaltigen Modekonsum vereinbaren. Begriffe in diesem Kontext sind Slow Fashion, Share-Economy, Circular-Fashion, End-Of-Ownership etc.
Laut dem neuesten thredUP Resale Report 2019 (hier als PDF) wird sich der gesamte Secondhand-Bekleidungsmarkt in 5 Jahren verdoppeln und auf 51 Mrd. Dollar in 2023 wachsen:


Heute gehe ich näher auf dieses derzeit größte Segment - Preloved-Fashion / Second-Hand-Fashion - ein und vergleiche dabei ein paar ausgewählte Player / Geschäftsmodelle etwas detaillierter bzgl. Usability und Sortiment.
Dabei möchte ich die Frage beantworten:

„Wo kann man heute als modebegeisterter, stilbewusster und / oder preisbewusster Kunde am besten Second-Hand-Mode online kaufen / leihen?“


Welcher von den Playern bietet Kunden die größte Auswahl und welcher die beste User Experience? Wo habe ich heute als Käufer, der Fashion bewusster und nachhaltiger konsumieren möchte, ein rundherum gutes Einkaufserlebnis, wie ich es auch sonst gewohnt bin? Welcher Online-Shop bietet mir bei Second-Hand-Mode ein bequemes, reibungsloses und unproblematisches Einkaufserlebnis? Welcher Anbieter hat echte Passion for Fashion und überzeugt durch Inspiration, Interaktion und Innovation?

Dazu habe ich in einer subjektiven Vorauswahl die fünf - aus meiner Sicht - relevantesten  Anbieter aus Deutschland für Second-Hand-Fashion ausgewählt:
  1. Vite EnVogue aus Hamburg mit einer Vielzahl an Premium Second-Hand-Designerartikeln.
  2. Ubup - der größte Second-Hand-Online-Shop für Mode in Deutschland, der zu momox gehört.
  3. REBELLE - der größte Online-Marktplatz in Deutschland für hochwertige Designer-Mode - ebenfalls aus Hamburg.
  4. Kleiderkreisel - seit 2008 einer der Pioniere in Deutschland.
  5. Myonbelle - Fashion-Sharing mit drei unterschiedliche Fashion Flatrates.

Neben diesen fünf genannten sind auch der Mädchenflohmarkt und Second Life Fashion  interessante Player aus Deutschland. Eigentlich dürfte ja die Kleiderei nicht fehlen - leider hat diese aufgehört. Dazu etwas mehr weiter unten.

Alle fünf ausgewählten Anbieter habe ich aus Käufersicht analysiert und bewertet - hier kommt die Übersicht der Ergebnisse.

Bewertung und Ergebnisübersicht


Hier die Übersicht der Ergebnisse:



Ergebnis: REBELLE und ubup sind derzeit die besten Anbieter für Second-Hand-Mode mit der größten Auswahl sowie Gesamtsieger bei Inspiration, Interaktion und Kaufprozess


Fazit

Für mich zeigt sich, dass man heute auch beim Kauf von Second-Hand-Fashion keine Abstriche im Einkaufserlebnis machen muss. Der Einkauf funktioniert bequem und reibungslos und die Käufer werden inspiriert und können interagieren. Und da alle Anbieter eine Qualitäts- und Echtheitsprüfung durchführen (bis auf Kleiderkreisel) und größtenteils auch eine kostenlose Rücksendung anbieten, fallen die größten Risiken beim Kauf von gebrauchter Mode weg.

Aktuell zeigen sich allerdings auch noch ein paar Beschränkungen, die der Second-Hand-Markt auf den ersten Blick mit sich bringt:
  1. Jedes angebotene Kleidungsstück ist ein Einzelstück, d.h. der Aufwand für das Einstellen eines Artikels (Erstellung der Bilder und Texte etc.) kann nicht so groß sein, wie bei einem Online-Shop mit Neuware, der den gleichen Artikel zig-fach verkauft, damit das Second-Hand-Geschäftsmodell auch rentabel ist. Es sei denn dass der Verkäufer (auf einem Marktplatz) diesen Aufwand übernimmt.
  2. Interaktionen in Form von Produktbewertungen, die dem Kunden bei der Kaufentscheidung helfen können, sind bei einem Einzelstück so nicht möglich. Hier erwarte ich in Zukunft allerdings kreative Ansätze - denn der angebotene Second-Hand-Designer-Artikel wurde ja schließlich als Neuware auf vielen Online-Shops bewertet.
  3. Eine umfangreichere Passformberatung - bis hin zu interaktiven und intuitiven Passform-Tools / "Fit-Findern" - ist sicherlich schwieriger zu implementieren, als in „normalen“ Online-Fashion-Shops. Doch auch hier rechne ich in Zukunft mit Lösungen, die auch bei Preloved-Fashion dem Kunden so viel Sicherheit wie möglich, hinsichtlich der Passform des Artikels geben, und damit Kaufabbrüche und hohe Retourenquoten reduzieren. 

Übersicht über die Ergebnisse der einzelnen Anbieter


Platz 1: REBELLE bietet am meisten Inspiration und Interaktion sowie die größte Auswahl an Top-Designer-Marken


Für wen ist REBELLE geeignet
REBELLE bietet Mode & Accessoires für Frauen an und ist besonders interessant für Modeliebhaberinnen, die eine große Auswahl an Artikeln von Luxus- / Top-Designern suchen.
Aber man kann hier nicht nur Second-Hand-Mode kaufen, sondern auch einfach auf dem Marktplatz (gegen Provision) verkaufen und dabei  wählen, ob man seine Artikel selbst einstellt und fotografiert  oder ob das REBELLE mit dem Concierge-Service (gegen eine zusätzliche Gebühr in Höhe von 15,- EUR pro Artikel) erledigen soll.

Stärken
  1. REBELLE bietet die größte Auswahl an Top-Designern. Obwohl REBELLE - wie eBay - ein Online-Marktplatz ist, auf dem private oder gewerbliche Verkäufer Artikel anbieten, hat der Käufer kein Risiko beim Kauf eines Artikels da für alle Artikel eine Echtheits- und Qualitätsprüfung durch REBELLE erfolgt.
  2. Sowohl hinsichtlich Übersichtlichkeit, Navigation und Filtern sowie der Artikeldarstellung schneidet REBELLE am besten ab. Hier finden sich Kunden gut zurecht und bekommen inspirative Zugänge ins Sortiment sowie ansprechende Artikeldetailseiten mit vielen relevanten Informationen. Hinsichtlich Beratung sind alle betrachteten Anbieter etwas schwach aufgestellt - doch auch hier schneidet REBELLE am besten ab.
  3. REBELLE bietet im Vergleich noch am meisten Interaktionsmöglichkeiten und ist stark in Facebook und Instagram.
  4. Beim Kaufprozess punktet REBELLE bei der Bestellung - insbesondere auf mobilen Endgeräten. Die größte Auswahl an Zahlungsarten (inkl. Ratenkauf) ist ebenfalls vorbildlich.
  5. Insgesamt ist REBELLE aufgrund der gut gemachten App auf dem Handy / Smartphone gut zu bedienen.  

Schwächen
  1. Bei der Lieferung schneidet REBELLE mit Versandkosten in Höhe von 6,90 € und recht langen Lieferzeiten schlecht ab.
  2. Die einzelnen Unterkategorien sind sehr generisch und erschweren damit die Suche - so sind z.B. T-Shirts, Blusen, Westen etc. alle in Oberteilen einsortiert. Da das System allerdings nicht mehr als 10.000 Artikel anzeigen kann, werden somit viele Artikel scheinbar nicht angezeigt.
  3. Leider gibt es kein Filter für aktuelle Artikel und man bekommt auch Artikel angezeigt, die schon vor Jahren hochgeladen wurden.

Ebenfalls Platz 1: ubup ist der Online-Shop mit der größten Auswahl an Second-Hand-Mode


Für wen ist ubup geeignet
ubup ist Deutschlands größter Second Hand-Onlineshop mit einem sehr großen Angebot an Mode und Accessoires für Frauen, Männer und Kinder. Ubup ist besonders interessant für Käufer, die bewährte und bekannte Marken-Artikel gebraucht zu einem günstigen Preis suchen.
Aber man kann hier nicht nur Second-Hand-Mode kaufen, sondern auch einfach verkaufen – der Ankauf erfolgt über momox-fashion.de.

Stärken
  1. ubup bietet mit Abstand die größte Auswahl an Second-Hand-Fashion für alle Zielgruppen an. Verknüpft mit den Vorteilen eines guten Online-Shops (kostenlose und schnelle Lieferung und kostenlose Retouren innerhalb von 30 Tagen) ist der Kauf von Second-Hand-Mode besonders einfach.
  2. Die Navigation funktioniert bei ubup sehr einfach und führt schnell zum Ziel.
  3. Auch mit Smartphone oder Tablet ist die Seite sehr gut zu bedienen.
  4. Lieferung erfolgt schnell und kostenlos.
  5. Auch die Rücksendung ist einfach und komplett kostenlos.  

Schwächen
  1. ubup biete sehr wenig Möglichkeiten zur Interaktion - z.B. keine Fragen / Diskussion zu einzelnen Produkten auf Artikeldetailseite.
  2. Es werden zwar ein paar Artikelmaße angegeben, aber insgesamt erhält der Kunde wenig Beratung zur Passform.
  3. Zu den Artikeln gibt es insgesamt wenig Informationen - so ist oft Material und ggf. Zusammensetzung nicht beschrieben und es gibt auch keine Details zur Verarbeitung.

Platz 3: Vite EnVogue bietet den einfachsten und besten Kaufprozess und eine große Auswahl an Top-Designern


Für wen ist Vite EnVogue geeignet
Vite EnVogue bietet Mode & Accessoires für Frauen und Männer an und ist besonders interessant für Menschen, die Second-Hand- Artikel von Premium-Designern schnell und einfach kaufen wollen.
Aber man kann hier nicht nur Second-Hand-Mode kaufen, sondern auch einfach verkaufen – der Ankauf erfolgt über Buddy & Selly.

Stärken
  1. Vite EnVogue bietet eine große Auswahl an Second-Hand-Fashion von Premium-Marken an. Verknüpft mit den Vorteilen eines guten Online-Shops (kostenlose und schnelle Lieferung und kostenlose Retouren innerhalb von 30 Tagen) ist der Kauf von Second-Hand-Mode auch hier besonders einfach.
  2. Insgesamt der beste Kaufprozess. Hier ist der Check-Out am einfachsten und auch ohne Registrierung möglich.
  3. Artikelübersicht, -texte und bilder sind hier im Vergleich zu den anderen Anbietern besonders gut.
  4. Lieferung erfolgt relativ schnell und kostenlos.
  5. Auch die Rücksendung ist einfach und komplett kostenlos.  

Schwächen 
  1. Die Bedienung der Filter ist hakelig und erschwert somit den Flow beim Stöbern und Shoppen.
  2. Mit der Navigation und Suche bekommt man unterschiedliche Ergebnisse angezeigt - d.h. mithilfe der Navigation bekommt man nicht immer alle Artikel angezeigt - Beispiele dazu im Deep Dive weiter unten.
  3. Auch bei Vite EnVogue werden zwar ein paar Artikelmaße angegeben, aber insgesamt erhält der Kunde - wie bei den anderen Anbietern auch - wenig Beratung zur Passform, wie z.B. einen interaktiven Größenrechner / ein Passform-Tool oder eine Beschreibung des Schnittes und der Passform (z.B. "eng geschnitten" oder "fällt eine Nummer größer aus"). 

Platz 4: Kleiderkreisel bietet eine große Auswahl für preisbewusste Käufer und eine lebendige Community


Für wen ist Kleiderkreisel geeignet
Kleiderkreisel bietet Kleidung & Accessoires für Frauen und Männer an und eignet sich besonders für preisbewusste Käufer, die nicht nach Luxus-Designer-Marken suchen und auch gerne mal ein Schnäppchen machen.
Aber man kann hier nicht nur Second-Hand-Mode kaufen, sondern auch einfach auf dem Marktplatz ohne Provision verkaufen oder tauschen.

Stärken
  1. Eine lebendige Community (auch bei Facebook).
  2. Die Verkäufer haben eine Profilseite und können nach Abschluss der Transaktion bewertet werden. Diese Bewertungen bieten zukünftigen Käufern eine Orientierung und mehr Sicherheit bei der Kaufentscheidung.
  3. Eine recht gute Suche liefert schnell relevante Ergebnisse -auch bei zusammengesetzten Begriffen, wie "schwarzer Stiefel".
  4. Der Kreisel-Käuferschutz bietet eine Geld-zurück-Garantie falls der Artikel nicht verschickt wurde, beschädigt ist oder nicht wie beschrieben ist.
  5. Mit der Kleiderkreisel App lässt sich auch alles am Smartphone gut bedienen.

Schwächen
  1. Auf den einzelnen Seiten werden Werbebanner angezeigt, was nervt und ablenkt.
  2. Navigation und Produktlisten sind doch recht kompliziert zu bedienen und verbesserungsdürftig.
  3. Keine Inspiration durch redaktionellen Content oder kuratierte Einstiege ins Sortiment, wie z.B. über Trends oder Styles.

Platz 5: myonbelle bietet ein Sharing / Leihen von Fashion als Abo-Modell mit Flatrate


Für wen ist myonbelle geeignet
Myonbelle verkauft keine Second-Hand-Fashion, sondern bietet diese zum Liehen / Sharen an. Hierzu gibt es drei unterschiedliche Fashion-Flatrates – der User bekommt ein Paket mit einer (je nach Flatrate) unterschiedlichen Anzahl von Kleidungsstücken und kann diese so oft tauschen, wie er will. Damit eignet sich myonbelle besonders für Kundinnen, die gerne öfter ihre Outfits wechseln und etwas Neues ausprobieren wollen.

Stärken
  1. Die Auswahl ist übersichtlich und man kann schnell interessante Artikel finden.
  2. Interessante Artikel lassen sich einfach als Favorit markieren und weisen damit auf den Style des Users hin, welcher bei der Auswahl der Artikel für die myonbelle Boxen berücksichtigt wird.
  3. Die Kosten für Versand, Rückversand und Reinigung sind im Abo-Preis enthalten.

Schwächen
  1. Die Auswahl ist relativ gering.
  2. Es werden nur recht rudimentäre Artikelinformationen angezeigt - oft ist z.B. nicht angegeben aus welchem Material der Artikel besteht.
  3. Die Bilder sind nicht besonders gut / hochauflösend, so dass Details vom Artikel nicht erkannt werden können. Viele Artikel haben nur ein Bild.

Kleiderei

Eigentlich darf an dieser Stelle die Kleiderei nicht fehlen, doch leider musste die Kleiderei aus Hamburg mittlerweile schließen. Für mich waren die Gründerinnen Thekla Wilkening und Pola Fendel Pioniere im Fashion-Sharing in Deutschland. Schade, dass der Markt in Deutschland dafür noch nicht reif genug war. Bei Bento gibt es dazu ein Interview mit Thekla und Pola: „Warum Frauen es so schwer haben, ein Unternehmen zu gründen - und warum sie es trotzdem tun sollten“ Auf jeden Fall wünsche ich Beiden viel Erfolg - Thekla baut den neuen Online-Mode-Miet-Service  stay awhile mit hochwertigen nachhaltigen Brands auf  und Pola managed jetzt in Wien die Burggasse24.

Deep Dive

Zur Vertiefung finden sich im Folgenden die Ergebnisse der einzelnen Unterkategorien sowie noch zusätzliche ausgewählte Details, die mir bei der Analyse aufgefallen sind. Vielleicht auch hilfreich für den einen oder anderen Shopbetreiber.

Hier zuerst die Ergebnisse in den einzelnen Unterkategorien:

Und weiter die Details, die bei der Analyse aufgefallen sind:




  • REBELLE hat von den betrachteten Anbietern hinter Ubup das größte Sortiment. Bei Damenoberbekleidung (DOB), Schuhen oder Accessoires ist das Angebot von REBELLE oft doppelt oder dreifach größer als bei Vite EnVogue. REBELLE ist führend, was Top-Designer-Artikel angeht - z.B. habe ich für diese Untersuchung die Anzahl der Artikel bei Damen für die Marken Prada, Gucci, Burberry, Hermès und Dolce & Gabbana ausgezählt. Während Kleiderkreisel und Ubup hier kein Angebot haben, hat Vite EnVogue hierzu etliche Artikel im Angebot, doch REBELLE hat bei allen genannten Marken die 3-5-fache Artikelanzahl im Angebot. 
  • Die einzelnen Unterkategorien sind sehr generisch und erschweren damit das Stöbern in dem Angebot - so sind z.B. T-Shirts, Blusen, Westen etc. alle in Oberteilen einsortiert. Da das System allerdings nicht mehr als 10.000 Artikel anzeigen kann, werden somit viele Artikel scheinbar nicht angezeigt, es sei denn man benutzt weitere Filter, wie Größe oder Farbe. Diese zu grobe Kategorisierung ist vermutlich auch der Grund, dass bei der Meta-Suchmaschine Prelovee für REBELLE weder „Shirts“ noch „Tops“ angezeigt werden.
  • Mithilfe von zusätzlichen Filtern ließ sich das Sortiment von REBELLE aber dennoch analysieren. Allerdings zeigt sich, dass auch Artikel im Sortiment sind, die schon vor Jahren hochgeladen wurden (man kann das bei den Artikeln anhand der Fragen von potentiellen Käufern erkennen - siehe z.B. „Theory Schwarzes Kleid“. Hier würde man sich einen Filter wünschen, mit dem man die Suchergebnisse auf aktuelle Artikel beschränken kann.
  • Preislich geht es bei Damenoberbekleidung i.d.R. bei 29 € los und endet bei einer Hermès-Jacke für 57.000 € - doch auch diese Jacke ist laut der Fragen am Artikel bereits seit einem Jahr eingestellt.
  • Wenn man auf einen Artikel klickt, werden Details zuerst angezeigt - zur Beschreibung des Artikels gelangt man erst durch einen weiteren Klick. Das ist aus meiner Sicht nicht optimal, aber ja vielleicht Ergebnis eines Usability-Tests.
  • Die Verkäufer können nicht - wie bei eBay oder Amazon - bewertet werden - diese Möglichkeit würde das Vertrauen der potentiellen Kunden noch verstärken und die Kaufentscheidung unterstützen.
  • REBELLE ist recht stark in Social Media vertreten - der eigene YouTube-Kanal wird aber gar nicht erst auf der Website verlinkt.
  • Im Check-Out kann auch der geübte Online-Shopper erst Mal an eine Hürde kommen, die vermutlich viele Abbrüche mit sich bringt. Bei der Eingabe der Telefonnummer nach dem erforderten Eingabeschema kam es zu einer Fehlermeldung und es ging nicht weiter - erst das Löschen der Vorwahl im „Landesauswahlfenster“ führte hier weiter. Aber da ich diesen Fehler im gleichen und  in einem anderen Browser nicht reproduzieren konnte, tritt dies scheinbar nur vereinzelt auf.
  • Hinsichtlich der Lieferzeit ist REBELLE nicht vorne. Bei Ubup und bei Vite EnVogue erfolgt die Lieferung schneller. Irritierend ist die Info auf der Website „Artikel, die bei uns im Lager vorliegen, versenden wir innerhalb von 1-3 Werktagen“. Vermutlich ist es eine falsche Formulierung - es wird wohl kaum bis zu 3 Tage dauern, bis die Artikel aus dem Lager in den Versand gehen?
  • Hinsichtlich Retouren liefert die Website widersprüchliche Informationen - in den FAQ´s auf der Seite „Rückerstattung bei Retouren“ steht „erstatten Dir den Kaufpreis zurück“ während in den AGB davon die Rede ist, dass „alle Zahlungen, die wir von Ihnen erhalten haben, einschließlich der Lieferkosten“ zurückerstattet werden, was ja auch der Rechtsprechung seit 2014 entspricht. Übrigens: Artikel, die von privaten Verkäufern gekauft werden können nicht zurückgegeben werden. Damit das Risiko eines Fehlkaufs so niedrig wie möglich ist, kann der Käufer in dem Kommentarfeld auf der jeweiligen Artikelseite Fragen zum Artikel stellen. Falls der Artikel dem Käufer nicht gefällt, kann dieser aber innerhalb von 7 Tagen nach Erhalt einfach und kostenlos wiedereingestellt werden.




  • Die Filter bieten z.T. zwar sehr filigrane Auswahlmöglichkeiten z.B. im Filter „Stil“ - allerdings werden die Attribute nicht dynamisch angepasst, so dass man bei einer Auswahl auch 0 Produkte angezeigt bekommt. Da auch die Artikelanzahl hinter den Filterattributen nicht angezeigt wird, ist die Usability der Filter nicht optimal.
  • Die Texte und Beschreibungen zu den einzelnen Artikeln fallen sehr dünn aus. Selbst bei teureren Produkten ist z.B. oft gar keine Info zu dem Material und / oder der genauen Zusammensetzung bei Mischgeweben vorhanden. Damit wird Potential verschenkt - natürlich macht es Unterschied, ob der Pullover aus Kaschmir, Wolle oder Acryl ist.
  • Ubup betreibt auch einen liebevoll gemachten Blog auf dem User auch über Kommentare interagieren können - leider findet man diesen nur zufällig, wenn man im Footer das dazugehörige Icon entdeckt.
  • Bei der E-Mail-Kommunikation hat Ubup die System-Mails sehr charmant formuliert - so lautet der Betreff bei einer mail zu einer Retoure „Schade-Schokolade ;-)“.





  • Auf den ersten Blick lässt sich ein Überblick über die Sortimentstiefe ermitteln. Auf dem zweiten Blick stellt man fest, dass es auch hier scheinbar größere Probleme mit dem Shop-System / der Suche gibt: Der Klick im Hauptmenü auf Damen\Bekleidung\Shirts & Tops führt zu dieser Seite und weist 592 Artikel aus. Wenn man allerdings auf Damen\Bekleidung\ klickt und dann anhand des Filters „Stil“ die Attribute „Shirts“, „Tops“ und „T-Shirts“ auswählt erhält man schon 2.843 Artikel auf dieser Seite - da man hier noch viele weitere Attribute auswählen kann, werden es vermutlich noch wesentlich mehr Artikel sein. Dieses Problem ist vermutlich auch der Grund dafür, dass bei der Meta-Suchmaschine Prelovee für Vite EnVogue keine „Tops“ angezeigt werden.
  • Vite EnVogue hat aber schon eine große Anzahl von Artikeln im Angebot. Insbesondere im Bereich Premium-Fashion / Top-Designer. Im Gegensatz zu REBELLE biete Vite EnVogue auch Kleidung, Schuhe und Accessoires für Männer an. Preislich geht es bei Damenoberbekleidung bei 9,95 € los und endet bei rd. 4.000 €. Da es doch etliche Artikel unter 20 € gibt finden preisbewusste Käufer hier eher etwas, als bei REBELLE wo der min. Preis bei 30 € liegt.
  • Die Bedienung der Filter ist hakelig und erschwert somit den Flow beim Stöbern und Shoppen.
  • Wenn man auf einen Artikel klickt, werden Details zuerst angezeigt - zur Beschreibung des Artikels gelangt man erst durch einen weiteren Klick. Das ist aus meiner Sicht nicht optimal, aber ja vielleicht Ergebnis eines Usability-Tests.
  • Auf der Artikeldetailseite steht unter dem Preis „inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten“ und suggeriert mir damit, dass ich für den Versand zahlen muss, obwohl für mich als User aus Deutschland der Versand kostenlos ist.
  • Wenn Artikel zum Warenkorb hinzugefügt wurden, ist dies auf am Desktop auf der Homepage nicht ersichtlich, da die Anzahl der Artikel nicht angezeigt wird, sondern weiter eine „0“ neben dem Warenkorb-Symbol steht. Mobil klappt es hingegen.
  • Ansonsten scheint bei Vite EnVogue viel los zu sein - es gibt z.B. viele Geschäftsführer-Wechsel bei der Reverse-Retail GmbH. Nachdem Karolin Junker und Dr. Daniel Petters ab April 2014 Geschäftsführer waren, kamen am 14.9.2017 Arndt Brockmann (vorher General Manager Germany Esprit) und Friedhelm Johannes Schmitter (vorher CEO der Arvato E-Commerce-Einheit) dazu (Unternehmensregister). Kurze Zeit später - am 15.2.2018 - ist Arndt Brockmann wieder ausgeschieden und auch Karolin Junker hat die Reverse Retail GmbH verlassen. Am 2.10.2018 ist dann auch Friedhelm Johannes Schmitter wieder ausgeschieden und am 10.4.2019 ist Dr. Daniel Petters ausgeschieden. Geschäftsführer sind seit dem 14.3.2019 Harald Sipple und seit dem 10.4.2019 Henning Thieß (Unternehmensregister). Auch die Einträge auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu haben sich in den letzten Monaten stark verschlechtert - siehe hier.





  • Aufgrund der schlechten User Experience ist die Sortimentsbreite nicht genau ermittelbar - auch hier kann das System scheinbar nur 10.000 Artikel anzeigen. Allerdings werden dabei auch Artikel angezeigt, die bereits vor 5 Jahren hochgeladen worden sind (z.B. dieserArtikel) - insofern lässt sich keine genaue Aussage über die Sortimentstiefe und -breite von Kleiderkreisel machen.
  • Die Usability / Systeme sind bei Kleiderkreisel recht einfach gehalten und aus Kundensicht unbefriedigend. So lässt sich die Sortimentsbreite und -tiefe nicht erleben, da z.B. die Artikelanzahl nicht angezeigt wird oder man auch nicht zur letzten Seite der Suchergebnisse springen kann. Insgesamt wirkt das Frontend und damit die User Experience sehr rudimentär, mit viel Potential für Optimierungen.
  • Wenn man mobil auf die Seite zugreift und über die Navigation eine Auswahl trifft erkennt man nicht, dass die Artikelliste angepasst wird, da diese (u.a. aufgrund der Werbebanner) außerhalb des sichtbaren Bereichs angezeigt wird.
  • Die Verkäufer haben die Möglichkeit Videos zu dem Produkt hochzuladen.
  • Auch Kleiderkreisel weist auf der Website nicht auf den eigenen YouTube-Kanal hin.







  • Auch hier wirkt das Frontend insgesamt und damit die User Experience sehr rudimentär, mit viel Potential für Optimierungen.
  • Die Beschreibung der Artikel ist sehr dürftig. So wird z.B. nicht angegeben aus welchem Material der Artikel besteht.


Mittwoch, 26. September 2018

Passion for Slow Fashion - nachhaltig online Mode konsumieren (Second-Hand-Fashion online kaufen, Mode online leihen oder tauschen) - Part 1


In meinem letzten Blogbeitrag Passion for Fashion - was im Online-Modehandel zu kurz kommt habe ich mich mit dem Mangel an Visionen, Inspirationen und kundenorientierten Services im Online-Modehandel auseinandergesetzt.

Heute soll es um die dreckige, dunkle Seite der Mode gehen.
(Bildquelle: Trigema Blog)
Die (Fast-)Fashion Industrie hinterlässt einen enormen Footprint. Z.B. gehen laut Eco-Business Schätzungen von 330 Millionen bis 832 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr für die Produktion von Kleidung aus – das würde reichen um ein Jahr lang 31,6 Millionen bis 79,7 Millionen Haushalte zu heizen und mit Strom zu versorgen (Eco-Business - What we know - and need to know - about sustainable fashion). Die Deutsche Welle (DW) geht aktuell sogar davon aus, dass dies noch höher ist - „Die gesamte Textilproduktion verursacht in nur einem Jahr über eine Milliarde Tonnen CO2. Das ist mehr als alle jährlichen internationalen Flüge und Schifffahrten zusammen. Dazu kommt die Verschmutzung der Meere durch Mikroplastik aus Textilfasern und die Verwendung giftiger Chemikalien“ (DW - Umweltsünde Mode: Nur "FastFashion", oder geht es auch nachhaltig?).
Laut dem World Economic Forum werden 2.700 Liter Wasser allein dafür benötigt, um ein T-Shirt zu produzieren und damit ist die Modeindustrie nach der Öl-Industrie die am meisten umweltverschmutzende Industrie (World Economic Forum - These are the environmental costs of fast fashion). 
Dabei wird im Rahmen der Produktion eines T-Shirts hierfür eine Reise von unglaublichen 27.500 km vollzogen (Trigema-Blog - Fast Fashion, schnelllebige Mode).
Bei einer Jeans ist dies noch schlimmer - auch die Vogue geht darauf ein und zeigt Alternativen auf (Vogue - Die Kehrseite von Darling Denim: Das "schmutzigste Kleidungsstück" der Welt und seine nachhaltigste Alternative).
Noch viel mehr Details zu den Auswirkungen der Fast-Fashion-Industrie zeigt die Ellen MacArthur Foundation (eine renommierte gemeinnützige Stiftung mit Fokus auf Entwicklung einer regenerativen Wirtschaft) in ihrem Report A New Textiles Economy: Redesigning fashion’s future / Voller Report als PDF mit 150 Seiten).
Und diese aufwändig produzierte Mode liegt oftmals schnell ungenutzt in den Kleiderschränken und wird dann weggeschmissen. Laut einer Greenpeace-Studie liegen allein in Deutschland ca. eine Milliarde ungenutzte Kleidungsstücke in den Kleiderschränken und nicht gebrauchte Kleidung wird am häufigsten  einfach im Müll entsorgt und nicht wiederverwendet (via Handelskraft - Das Geld liegt nicht auf der Straße, es hängt im Kleiderschrank).
Wie die Studie (Greenpeace-Umfrage zum Kleidungskaufverhalten - MODE, BEWUSST!) und eine weitere Greenpeace-Studie (Konsumkollaps durch Fast Fashion) weiter zeigen:
  • Jeder Deutsche kauft demnach etwa 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr und trägt diese halb so lange wie vor 15 Jahren.
  • Jedes fünfte Kleidungsstück (19 %) wird so gut wie nie getragen.
  • Oberteile und Hosen sowie insbesondere Schuhe werden laut der repräsentativen Umfrage in Deutschland nur noch kurze Zeit genutzt. Fast jeder Zweite gibt an, innerhalb weniger als einem Jahr Schuhe, Oberteile und Hosen auszusortieren. Spätestens nach drei Jahren werden mehr als die Hälfte der Oberteile, Hosen und Schuhe ausgemustert.

Die Greenpeace-Studie - Usage & Attitude Mode unter Jugendlichen / PDF zeigt, dass es bei den Jugendlichen z.T. besser aussieht – weiter gibt diese Studie auch einen detaillierten Einblick über die Zielgruppe der jugendlichen Fashion-Käufer.
Der thredUp Resale Report 2018 zeigt ein widersprüchlicheres Bild zum Shoppingverhalten der Millennials
Doch Nachhaltigkeit wird zum Glück für Viele immer wichtiger. Warum ständig etwas Neues kaufen, wenn es genauso gute oder bessere Alternativen zum ständigen konsumieren von Neuware gibt?
Share-Economy und nachhaltige Konzepte werden auch im Online-Modemarkt immer relevanter. Mit diesem Artikel möchte ich einen Schnappschuss auf Slow Fashion-Konzepte, den Markt und auf ausgewählte Player geben.

Überblick Slow Fashion - Markt und Geschäftsmodelle

Unter dem Begriff Slow Fashion werden Ansätze zum fairen und nachhaltigen Konsum von Mode verstanden. Also ein bewussterer und entschleunigter Umgang mit Mode. Das bedeutet Preloved-Fashion / Second-Hand-Fashion kaufen, Mode leihen oder tauschen sowie fair und nachhaltig produzierte Mode kaufen. Einen lesenswerten Überblick zu vielen Ansätzen gibt Stefanie Jakob bei Utopia - Slow Fashion: Ein Konzept für bessere Mode.
Allein der Markt für Preloved-Fashion / Second-Hand-Fashion (oder auch Recommerce oder Resale) wächst beständig. Dieser  Markt, soll laut Schätzung des US-Recommerce-Unternehmens thredUp, das mit dem Resale-Report einen jährlichen Branchenreport herausgibt, von aktuell 18 Mrd. Dollar auf 41 Mrd. Dollar in 2022 wachsen (via manager magazin - Warum gebraucht plötzlich sexy ist). ThredUp liefert aber auch noch weitere interessante Informationen zum Second-Hand-Fashion-Markt im 2018 Fashion Resale Market and Trend Report. Demnach wird der Anteil der Second-Hand-Fashion von rd. 5,5% in 2017 auf rd. 10% in 2022 wachsen.
Auch in China ist (Fashion-)Recommerce bereits ein Thema, das starkt wächst – eine detaillierte Analyse dazu bietet Coresight Research - Deep Dive: China’s Online Fashion Recommerce Market - Part 1 The Next Frontier for E-Commerce (auch als PDF / Infografik).
Insgesamt ist das Marktvolumen noch um einiges höher, da neben dem Markt der Second-Hand-Mode auch der Markt für Leihen und Tauschen etc. berücksichtigt werden muss.
Dabei sind folgende Geschäftsmodelle besonders relevant:

1. Second-Hand-Fashion verkaufen und kaufen

Business-To-Consumer (B2C) Geschäftsmodelle
Mittlerweile gibt es einige - teilweise schon große - Unternehmen, welche gebrauchte Mode aufkaufen und diese dann im eigenen Online-Shop wieder verkaufen. Dies bietet dem User die Möglichkeit, seine nicht mehr genutzten Modeartikel schnell und einfach loswerden und dafür Geld zu bekommen. Diese Händler prüfen dann die Echtheit, erstellen Artikelfotos und -texte und kümmern sich um den Verkauf. 
Hier ein paar der relevantesten / interessantesten Player:
Vite EnVogue aus Hamburg mit einer großen Auswahl an Premium Second-Hand-Designermode  – der Ankauf erfolgt über Buddy & Selly
Ubup ist der größte Second-Hand-Online-Shop für Mode in Deutschland und gehört zu momox. Der Ankauf erfolgt über momox-fashion.de.
Auch Zalando ist mittlerweile aktiv geworden.  Im März wurde die App "Wardrobe" gestartet, über welche User ihre gebrauchten Kleidungsstücke an andere Nutzer oder Zalando selbst verkaufen können. Weitere Infos bei Jochen Krisch (Exciting Commerce - Zalando Wardrobe hilft beim Ausmisten des Kleiderschranks und Warum Zalando Wardrobe gerade jetzt Sinn macht #K5BLN).
Second Life Fashion - ein weiterer, jüngerer deutscher Online-Shop, der auch gebrauchte Mode direkt ankauft.

Consumer-To-Consumer (C2C) Geschäftsmodelle
Fast seit den Anfängen des Internets können User ihre gebrauchten Artikel auf Online-Marktplätzen selbst verkaufen. Im Gegensatz zu den Online-Shops ist der Online-Marktplatz „nur“ der Vermittler eines Kaufvertrags zwischen Verkäufer und Kunden und erhält hierfür eine Provision vom Verkäufer. Mittlerweile übernehmen die Marktplätze für Second-Hand-Designer-Mode oft zusätzliche Serviceleistungen, wie z.B. das Fotografieren des Artikels und die Erstellung von Artikeltexten sowie Kontrolle der Echtheit und der Qualität, was insbesondere bei hochwertiger Designer-Mode hilfreich ist. 
Hier ein paar der relevantesten / interessantesten Player:
EBay die „Mutter“ aller Online-Marktplätze ist seit 1995 aktiv und hat das größte Angebot an Second-Hand-Artikeln.
REBELLE - ebenfalls aus Hamburg - ist der größte Online-Marktplatz aus Deutschland für hochwertige Designer-Mode. Der Verkäufer kann wählen, ob er seine Artikel selbst einstellen und fotografieren möchte oder ob das REBELLE mit dem Concierge-Service erledigen soll (dafür fällt eine zusätzliche Gebühr in Höhe von 15,- EUR pro Artikel an).
Vestiaire Collective ist ein weiterer großer Online-Marktplatz für Premium Designer-Mode, der in Frankreich gegründet wurde, aber international aktiv ist. Auch hier wird die Echtheit überprüft bevor der Artikel an den Käufer verschickt wird. Vestiaire Collective stellt den Social-Aspekt mehr in den Vordergrund – der Verkäufer wird mit Foto angezeigt. Hier gibt es nach eBay das größte Angebot in Deutschland.

Mädchenflohmarkt ist in Deutschland schon seit 2009 aktiv und bietet ebenfalls einen  Concierge Service an. Um dem Verkäufer den Prozeß zu vereinfachen.
Auch Kleiderkreisel gehört seit 2008 zu den Pionieren in Deutschland – hier erfolgt der Verkauf der gebrauchten Modeartikel ohne Provision und auch Tauschen ist möglich. Die Echtheit des Artikels wird durch Kleiderkreisel nicht geprüft.
Videdressing aus Frankreich ist neben anderen Ländern auch schon länger in Deutschland aktiv. Auch Videdressing hat ein großes Angebot an Second-Hand-Designer-Mode und bietet eine Echtheitsgarantie. Allerdings wird hier kein  Concierge Service angeboten.
Bei The RealReal (einer der größten Player aus USA – versendet auch international) verwischen die Grenzen – der Verkäufer gibt die Bekleidungsstücke zu The RealReal – alles Weitere macht das Unternehmen (inkl. Festlegung des Preises). Da der eigentliche Verkäufer auch nicht in Erscheinung tritt / genannt wird, wirkt es aus Kundensicht wie ein B2C-Geschäftsmodell.
ThredUp ist einer der größten Marktplätze für  Designer-Mode in den USA und verschickt derzeit nur nach USA und Kanada. Auch hier wird die Echtheit geprüft und auch hier tritt der Verkäufer nicht direkt in Erscheinung.
Poshmark der dritte große amerikanische Player – hier erfolgt der Kauf / Verkauf i.d.R. mit der Poshmark-App. Auch Poshmark ist bisher noch nicht außerhalb der USA verfügbar.  

2. (Second-Hand-) Mode leihen oder tauschen

Neben dem Kauf von Mode gibt es auch die Möglichkeit diese zu leihen oder zu tauschen. Beim Leihen von Mode haben sich Abo-Modelle durchgesetzt, d.h. für einen festen Monatsbeitrag bekommt der User eine festgelegte Anzahl von Artikeln zugesandt. Sobald er diese (kostenlos) zurückgesandt hat, bekommt er ein neues Paket. Die getragenen Artikel werden durch den Anbieter professionell gereinigt und dann wieder in den Kreislauf gegeben. Also Sharing statt Shopping - Modekonsum ohne Besitz. 
Auch hier ein paar der relevantesten / interessantesten Player:
Rent the Runway aus den USA (und bisher nur dort aktiv) ist die größte und bisher erfolgreichste Plattform für das Leihen von Mode. Zuerst Start ließen sich die hochwertigen Designerstücke für z.B. ein besonderes Event gegen Gebühr leihen. Mittlerweile machen die Abos (Tausch monatlich oder jederzeit möglich) den Großteil der Umsätze aus (via Exciting Commerce - Wie Rent the Runway mit seinen $159-Unlimited-Abos fährt).
Mit der Kleiderei aus Hamburg waren die Gründerinnen Thekla Wilkening und Pola Fendel Pioniere im Fashion-Sharing in Deutschland. Sie sind 2012 lokal gestartet und dann in 2014 online gegangen. Gegen eine monatliche Gebühr können die User vier Kleidungsstücke ausleihen und bei Bedarf gegen andere Kleidungsstücke tauschen. Der Hin- und Rückversand ist dabei kostenlos. Allerdings macht die Kleiderei online gerade einekleine Pause.
Myonbelle bietet drei unterschiedliche Fashion Flatrates – der User bekommt ein Paket mit einer (je nach Flatrate) unterschiedlichen Anzahl von Kleidungsstücken und kann diese so oft tauschen, wie er will.

Weitere Anbieter in Deutschland sind fashion4aday, dresscoded.com und Chic by Choice.
Auch in China ist Leihen ein wachsendes Thema - siehe Jing Daily - The Luxury Goods Rental Market in China: What You Need to Know       

3. Sonstige Geschäftsmodelle

Hier noch ein paar weitere Player, die rund um Second-Hand-Fashion entstanden sind:
CATCHYS ist eine Meta-Suchmaschine für Second-Hand-Mode und durchsucht Second-Hand-Shops, wie ubup, Vite Envogue und einige mehr (via Etailment - Catchys - Second Hand auf einen Blick).
Prelovee ist eine weitere neue Meta-Suchmaschine für Second-Hand-Fashion - hier werden u.a. Vestiaire Collective, Vite EnVogue und REBELLE durchsucht.
FASH BACK ist ebenfalls ein Hamburger Start-Up und fungiert als Fashion-Aufkauf-Plattform und „White-Label“ Lösung für stationäre und online Fashion Händler (via Gründerszene - www.gruenderszene.de/datenbank/unternehmen/fash-back). Der User bekommt online gleich einen potentiellen Ankaufspreis genannt und kann sich dann ein kostenloses Paketlabel ausdrucken.

Fazit

Es tut sich was im Bereich Slow Fashion. Viele unterschiedliche und professionelle Plattformen bieten interessante Alternativen für nachhaltigen Mode-Konsum.

Hoffentlich entwickelt es sich weiter und regt möglichst viele Menschen an, das eigene Konsum- / Shoppingverhalten zu überdenken!


In einem meiner nächsten Beiträge werde ich im Part 2 zur Slow Fashion ausgewählte Geschäftsmodelle etwas detaillierter betrachten und bzgl. Usability und Angebot vergleichen.

Dienstag, 11. September 2018

Passion for Fashion – was im Online-Modehandel zu kurz kommt


1. Passion for Fashion – Status Quo im Online-Modehandel

Online-Mode-Revolution

Vor über zehn Jahren startete die Online-Mode-Revolution (Viele neue Dienste wollen das Online-Shopping für Fashion revolutionieren). Damals waren viele spannende neue Geschäftsmodelle, innovative und kundenorientierte Services sowie aufregende Visionen für Fashion im Allgemeinen und den Online-Mode-Handel im Besonderen am Start.
Gleichzeitig gab es aber auch Trends, welche damals (noch) nicht adressiert wurden (Modebranche verschläft Trends im Onlinemarkt sagt eine neue Studie).
Seit dem ist viel passiert und der Wandel durch die Digitalisierung und das Internet hat in allen Bereichen des Lebens zu vielfach diskutierten disruptiven Erneuerungen geführt. Unser Leben ist heute nicht mehr so wie vor zehn Jahren und hat sich massiv verändert.
Aber Halt / Stop – bis auf ein kleines gallisches Dorf der Unbeugsamen. Zeit für ein kleines Zwischenfazit.

Online-Fashion-Branche – das unbeugsame kleine gallische Dorf

Auf den ersten Blick ist der Online-Modehandel scheinbar erwachsen geworden.
So hat sich in den letzten zehn Jahren der B2C-Umsatz in Deutschland rund verdreifacht – damit lag der Online-Umsatz mit Kleidung und Schuhen in Deutschland in 2017 bei rund 15,6 Milliarden Euro (Statista - Umsatz im Online-Modehandel in Deutschland in den Jahren 2006 bis 2017).
Auch etliche Player sind international bereits so erfolgreich, dass sie die Umsatzmilliarde bereits erreicht haben (Exciting Commerce - Die Milliarden-Player im Online-Modehandel (Update 2017)) oder auf dem Weg dahin sind (Exciting Commerce - Die nächsten 5 Online-Fashion-Player auf Milliardenkurs). Und es gibt auch heute einige spannende Player und Challenger in der Online-Mode-Branche – wie Jochen Krisch ganz spannend im Poadcast der Commerce Corner von Armand Farsi beleuchtet hat (Commerce Corner - CC#8 | Jochen Krisch (Exciting Commerce)).
Doch auf den zweiten Blick hat sich der größte Teil des Online-Modehandels nicht weiterentwickelt und stagniert:
  • Innovative Ansätze und Visionen wurden häufig der kurzfristigen Renditeorientierung geopfert.
  • Inspirierende Produktzugänge und Produktdetailseiten fehlen überwiegend – vielmehr wirken die meisten Startseiten, Navigationskonzepte und Produktdetailseiten austauschbar und langweilig.
  • Innovative kundenorientierte Beratungslösungen und Services sind Mangelware – stattdessen wird der Check-Out bis ins Kleinste optimiert.
  • Inspirierender Content wird in der Regel nicht geboten und schon gar nicht mit dem Commerce verknüpft.
  • Technologiefixierung bremst - die meisten und insbesondere die großen E-Commerce-Shopsysteme unterstützen die besonderen Themen der Fashionbranche nur sehr gering.

Aus meiner Sicht ist dem Online-Modehandel die Passion for Fashion abhandengekommen!
Im Folgenden möchte ich ein paar Anregungen skizzieren, für welche die Zeit inzwischen reif sein sollte.

2. Passion for Fashion – Inspirationen für den Modekäufer

Modekauf ist mehr als Suchen, Finden und Einkaufen. Für viele geht es dabei darum Inspirationen für den eigenen Stil zu finden. Inspirierender Editorial oder user-generierter Content.
Eine innovative Idee zur Inspiration der Kunden war und ist die Verwendung eines Mood Boards oder Look/Style-Editors à la poylvore oder Fashmatch. Leider war die Zeit für polyvore und Fashmatch noch nicht reif und die Plattformen sind vor einiger Zeit geschlossen worden. Ähnliche Konzepte gibt es inzwischen z.B. bei ShopLook, IQON oder app-basiert bei GlamOutfit.
In einen Shop integriert, könnten Kunden mit einem solchen Editor einen Look aus den Artikeln des Shops erstellen und somit ihren persönlichen Stil präsentieren. Diese Looks können von anderen Usern bewertet werden. Im Shop auf einer Artikeldetailseite lassen sich diese Looks ebenfalls anzeigen. Die Looks werden somit zu usergenerierten Empfehlungen von kompletten Outfits und sind viel ansprechender und authentischer als die automatisch generierten Empfehlungen von Recommendation-Engines.
Shops wie Zalando oder ABOUT YOU nutzen hierfür bereits Looks / Outfits von Influencern.
Die Einbindung bei Zalando ist dabei etwas rudimentär:
Von den Looks kommt man auf die Artikeldetailseiten und kann die Artikel shoppen. Doch die Looks werden auf den Artikeldetailseiten nicht angezeigt und können somit den Kunden, der hier landet nicht inspirieren.
Bei ABOUT YOU ist dies bereits besser umgesetzt – auch auf den Artikeldetailseiten werden die Outfits angezeigt und werden somit zur Inspiration genutzt:

Noch einen Schritt weiter geht hier OTTO – OTTO bietet einen Style-Creator, in dem Kunden à la polyvore selbst ein Outfit erstellen und veröffentlichen können:
Weitere Ansätze zur Inspiration hatte bereits vor zehn Jahren YaLook in petto. Trotzdem passte damals YaLook nicht zu den Erwartungen der OTTO Group und wurde bereits nach etwas mehr, als einem Jahr geschlossen (Exciting Commerce - Die Yalook Story: Wie Otto mit Innovationstreibern umgeht). Bei ABOUT YOU scheint sich das geändert zu haben und wirkt sich positiv auf die OTTO Group aus. Z.B. mit der Trendmap nutzte YaLook Verkaufsdaten, um regionale Shoppingtrends in Echtzeit darzustellen. Neben den populärsten Kleidungsstücken und Marken gab es die aktuellen Farben und Muster, die gerade im regional im Trend liegen:
Schaut man nach redaktionellem / Editorial Content, dann sind nach wie vor Net-A-Porter und Mr. Porter ganz weit vorne. Eine Vielzahl von unterschiedlichen inspirierenden Beiträgen und eine umfangreiche Stilberatung:
Doch leider ist auch hier die Integration in den Shop mangelhaft – der ganze Content ist zwar mit Artikeln verknüpft, doch eine Rückwärts-Verknüpfung existiert nicht.
Hier stoßen die Shops immer noch an die Grenzen ihrer Systemarchitektur – während Produkte im Shopsystem und PIM (Produktinformationsmanagement) verwaltet werden, wird der Content i.d.R. im Content-Management-System (kurz CMS) verwaltet. Zwischen diesen Systemen gibt es normalerweise starke Barrieren, was z.B. auch bedeutet, dass die Suche im Online-Shop nur Ergebnisse aus dem E-Commerce-System, aber nicht aus dem Content-Management-System ausspielen kann.
Besser macht das seit einiger Zeit Nivea: Auf den Kategorieeinstiegsseiten – z.B. für Gesichtspflege – werden ebenfalls redaktionelle Beiträge ausgespielt und die Suche nach „Haut“ liefert ebenfalls neben Produkten auch redaktionellen Content:

Als weitere Inspirationsquelle – gerade bei Mode – sehe ich eine Visual Search. Wenn ich einen bestimmten Look eines Artikels gut finde, dann interessieren mich natürlich Artikel, die ähnlich aussehen, nach denen ich aber nicht suchen würde, weil ich z.B. die Marke gar nicht kenne. Auch hier gibt es ja schon einige Lösungen, die sich in den Online-Shop integrieren lassen, wie z.B. Clarifai, ViSENZE, picalike oder Slyce.

3. Passion for Fashion – durch Passformberatung Unsicherheiten beim Kunden reduzieren

Die Passformberatung ist m.E. die Königsdisziplin für Online-Fashion-Shops. Da der Kunde das Bekleidungsstück nicht anprobieren kann, gilt es dem Online-Käufer so viel Sicherheit wie möglich hinsichtlich der Passform des Artikels zu geben. Ansonsten führt dies zu Kaufabbrüchen oder Auswahlbestellungen und hohen Retourenquoten. Hier sind Functions & Features zur Passformberatung gefragt.
Das absolute Minimum ist eine genaue Beschreibung des Schnitts und der Passform, d.h. Taillenhöhe, Weite am Oberschenkel, figurbetonter oder weiter Schnitt etc. Eine weitere Möglichkeit zur Passformberatung ist die Angabe der Maße des Models auf dem Produktbild sowie die Größe, die das Model trägt:
Best-Practice-Beispiele hierfür sind NET-A-PORTER oder REVOLVE – aber auch Zalando hat hier aufgeholt, während ABOUT YOU hier ziemlich wenig Informationen für den Kunden bietet.
Zusätzliche Sicherheit kann dem Kunden durch Angabe der genauen Maße des spezifischen Artikels für die einzelnen Größen gegeben werden. Erforderlich hierzu ist, dass beim Wareneingang die Artikel pro Größe vermessen werden. Die genauen Artikelmaße werden z.B. von NET-A-PORTER im Online-Shop angegeben:
 Genauso hilfreich sind „Passformhinweise“. Sobald beim Wareneingang oder bei Retouren festgestellt wird, dass der Artikel größer oder kleiner ausfällt, wird ein entsprechender Hinweis auf der Artikeldetailseite angezeigt.
Doch mit den beschriebenen Ansätzen ist das Potential von Passformberatung in Online-Shops noch längst nicht ausgereizt. Sicherlich werden in den nächsten Jahren noch weitere innovative Ansätze hinzukommen. Ein zusätzlicher Mehrwert für den Kunden könnte durch den konsequenten Einsatz von Größenmodels beim Wareneingang / im Rahmen der Qualitätssicherung erzielt werden. Idee: Der Online-Shop nutzt eine Mitarbeiterin, die möglichst die Standardmaße der durchschnittlichen Shop-Kundin hat, als Größenmodel und Passform-Expertin. Die Passform-Expertin probiert jeden Artikel an und dokumentiert, wie der Artikel ausfällt bzw. welche Größe sie bei einem Artikel dieser Marke trägt. Diese Erkenntnisse könnten ebenfalls auf der Artikeldetailseite dargestellt werden und dem Kunden zusätzliche Sicherheit geben.
Aktuell gibt es auch immer mehr Tools, die helfen die richtige Größe zu finden. So können Lösungen von easysize (im Einsatz bei Vente Privée), Fit Analytics (im Einsatz bei asos), Fitle oder Virtusize (eingesetzt bei Uniqlo).
Weitere neue digitale Services zur Passform bei Thirdlove und Adore Me via Handelskraft – Wie High-Tech-Startups die Vorteile derDigitalisierung nutzen um die Lingerie-Branche neu zu erfinden.
Aber es braucht keine externen Tools für eine gute Passformberatung – der deutsche Sneaker-Shop asphaltgold hat hierzu selbst die innovative App „fittingroom“ entwickelt, um seine Kunden bzgl. Der richtigen Passform zu beraten:

Und hier die Desktop-Variante:
Übrigens auch interessant wie asphaltgold über Instagram machstelligen Umsatz erreicht hat (omr - Mit Instagram Marketing zum achtstelligenUmsatz: Dieser hessische Sneakershop macht’s vor).

4. Passion for Fashion – mit multidimensionalen Produktbewertungen die Auswahl erleichtern

Bewertungen und Kommentare von anderen Kunden zu Produkten haben bekanntlich einen sehr großen Einfluss auf das Kaufverhalten der  Kunden. Über Produktbewertungen ist es für Online-Shops möglich Vertrauen aufzubauen, die Kundenbindung zu erhöhen und dem Kunden wichtige Hilfestellungen bei der Kaufentscheidung zu liefern.
Das höchste Erfolgspotential haben dabei Produktbewertungen, die glaubwürdig und für die Zielgruppe relevant sind und übersichtlich und ansprechend angezeigt werden.
Den Nutzen von, in Online-Shops verbreiteten, einfachen Produktbewertungen (Kunde kann das Produkt nach Sternen bewerten oder einen Kommentar abgeben) halte ich im Fashion-Handel für recht gering.
Vielmehr plädiere ich seit längerem für multidimensionale Produktbewertungen, welche die Aussagekraft der Produktbewertung verbessern und Umsätze steigern und Retouren reduzieren. Dabei sind drei Faktoren entscheidend:
  1. Produktbewertung erfolgt nach sortimentsspezifischen Kriterien. Als besonders wichtige Kriterien sollten zumindest Qualität von Verarbeitung und Stoff, Passform und Look / Anmutung bewertet werden können.
  2. Produktbewertung enthält eine Passformbewertung. Eine allgemeine Bewertung der Passform durch den Kunden sowie eine Bewertung, ob das Produkt der angegebenen Größe entspricht (bei Jeans oder Schuhen zusätzlich auch die Weite).
  3. Produktbewertung enthält Informationen über den Bewertenden. Produktbewertungen sind nicht allgemeingültig, sondern hängen stark von der jeweiligen Zielgruppe ab. Die Relevanz von Produktbewertungen ist umso höher je mehr der Rezensent dem Kunden ähnelt. Die Bewertung einer Jeans durch ein schlankes Teenie-Girl hat für eine mollige End-Dreißigerin nur eine geringe Relevanz.

Grundsätzlich sollten die Reviews danach bewertet werden können, ob sie hilfreich sind. Weiter sollte die Anzeige übersichtlich sein und eine Filterung insbesondere nach Eigenschaften der Rezensenten ermöglichen. Im Bereich Mode werden Produktbewertungen schon länger von REVOLVE sehr gut umgesetzt – hier wird u.a. die passform bewertet und die Rezensentin gibt ihren Figurtyp an, nach dem die Bewertungen auch gefiltert werden können:
Überraschenderweise hat auch Bon Prix in den letzten Jahren eine starke Entwicklung bei Produktbewertungen hingelegt. Ebenfalls hat mich überrascht, wie hoch das Involvment der Kunden auch bei niedrigpreisigen Artikeln ist – bei vielen Artikeln hat Bon Prix eine Vielzahl von Reviews. Bei Bon Prix gibt die Rezensentin auch ihre normale Kleidungsgröße sowie ihre Körpergröße an und steigert dadurch die Relevanz der Passformbewertung für den Kunden:
Erstaunlich, dass asos und ABOUT YOU diese Potentiale nicht nutzen und auch Zalando hier sehr reduziert unterwegs ist.
Eine weitere Steigerung der Produktbewertungen sehe ich in folgender Idee: Kunden, die in einem Online-Shop mehrere Produktbewertungen schreiben, zeigen ein hohes Involvement. Wen man Kunden mit z.B. mehr als zehn Produktbewertungen die Möglichkeit gibt, eine Profilseite mit Bild, Beschreibung des eigenen Modestils, Lieblingsmarken und -produkten etc. zu gestalten, würde dies das Involvement der Kunden noch steigern. In Verbindung mit der Möglichkeit diese Profilseiten in Form von „Likes“ durch andere Besucher des Online-Shops bewerten zu lassen, lassen sich die beliebtesten Rezensenten für einzelne Produktkategorien, Modestile etc. ermitteln und darstellen. Für die weitere Einbindung dieser „Kunden-Experten“ für Produktempfehlungen, Produkttest etc. sind viele Szenarien denkbar, die einen Mehrwert für die Kunden des Online-Shops bieten können.

5. Passion for Fashion – Agilität funktioniert nur mit Visionen und innovativen Ideen

Mittlerweile hat sich ja Agilität als Paradigma oder gar Dogma in den Köpfen der Agenturen, Berater und Manager festgesetzt. Aber aus meiner langjährigen Erfahrung als Berater bei der Umsetzung und dem Management von E-Commerce-Shops fehlen oft einige elementare Grundvoraussetzungen dafür. Weiter werden in diesem Zusammenhang auch recht pauschal Herangehensweisen ins schlechte Licht gerückt, die bei näherem Hinsehen durchaus hilfreich bei der Weiterentwicklung eines Online-Shops sind. Hier ein paar Anregungen im Umgang mit agiler Entwicklung:
1.     Visionen - Agile Entwicklung steht und fällt mit der schnellen Umsetzung, dem iterativen Lernen und der kontinuierlichen Repriorisierung. Hier stoßen viele Unternehmen und insbesondere Konzerne an ihre Grenzen. Innerhalb eines ein- oder zweiwöchigen Sprints müssen schnell User Stories diskutiert, priorisiert und entschieden werden. Dies erfolgt innerhalb der Scrum Teams im Zusammenspiel von Product Ownern / Business Ownern, Entwicklern und Designern. Gerade Unternehmen, die keinen Fokus auf Online hatten / haben, sind es gewohnt mit ein paar Online-Verantwortlichen zu agieren, die im Vertrieb oder Marketing angesiedelt sind. Oft haben diese in der Vergangenheit nur externe Dienstleister „gesteuert“ und Entscheidungen wurden in vielzähligen Meetings unter Einbezug aller (!) tangierten Bereiche und / oder auf Basis von eigenen Online-Shopping-Erfahrungen und Meinungen der Führungskräfte dazu - möglichst im Konsens - getroffen. Dies greift natürlich in einer agilen Entwicklung viel zu kurz und funktioniert nicht. Was fehlt sind Product Owner, die eine profunde Online-Erfahrung und vor allem klare Visionen von einem kundenorientierten und inspirierenden Online-Shopping-Erlebnis haben und diese auch in der Diskussion mit Entwicklern und Designern überzeugend rüberbringen können. Und welche darüber hinaus ihre Visionen bei der kontinuierlichen Repriorisierung des Backlogs nicht aus den Augen verlieren und die entsprechende Entscheidungskompetenz besitzen, um sich nicht immer mit Stakeholdern abstimmen zu müssen. Auch „Digital Natives“ helfen hier nicht unbedingt weiter – meine Studentenprojekte an E-Commerce-nahen Unis oder die Zusammenarbeit mit Praktikanten zeigte häufig, dass „Digital Natives“ zwar sehr vertraut mit WhatsApp, Instagramm oder YouTube sind, aber Online-Shopping meistens nur bei Amazon und Zalando ausprobiert haben.
2.     Best-Practices - Best-Practices haben heute einen schlechten Ruf bekommen. Und natürlich werden einige disruptive Innovationen völlig neu – ohne Blaupause – entwickelt. 
Doch wenn es darum geht, innovative Ideen und kundenorientierte Visionen für den Online-Modehandel zu entwickeln, dann sind Best-Practices eine gute Quelle, um spannende Anregungen für den eigenen Online-Shop zu erhalten. Wenn andere Online-Modehändler bereits seit Jahren Erfahrungen in einem spezifischen Sortiment oder mit einer speziellen Zielgruppe gemacht haben, ist es ratsam davon zu lernen und die eigene Lernkurve damit zu erhöhen. Denn viele Functions & Features oder Services wurden von Wettbewerbern vielleicht schon über Jahre optimiert und anhand von unzähligen Shopbesuchen weiterentwickelt. Und auch Online-Anbieter aus völlig anderen Branchen können eine gute Inspirationsquelle sein.
Hier zur Anregung also ein paar aktuelle und interessante Best-Practices:

6. Passion for Fashion – Ausblick

Auch in Zukunft wird der Marktanteil des Fashion-Online-Handels weiter wachsen. Hiervon werden nur Online-Händler profitieren, die sich klar positionieren können. Hilfreich dazu auch das Interview von Ruppert Bodmeier (disrooptive) mit Jochen Krisch: "Mit der Marge wird E-Commerce kaum Geldverdienen".
Die Meinung anderer User wird weiter an Bedeutung gewinnen. Dadurch wird umfassender User-Generated-Content für Onlineshops sehr wichtig werden. In diesem Zusammenhang werden multidimensionale Produktbewertungen, Kundenfeedback zur Passform, von Kunden erstellte Produktlisten und Produktcollagen, Produktbilder und -videos von Kunden sowie sinnvolle Widgets und Apps einen steigenden Einfluss auf alle wichtigen Kennzahlen eines Mode-Onlineshops haben.
Die Gewinner der nächsten Jahre werden Fashion-Online-Shops sein, die sich ganz klar durch überlegene kundensegmentspezifische Beratungs- und Serviceleistungen, eine sehr große Auswahl, besonders angesagte oder inspirierende Marken und Artikel und / oder umfassenden (User-Generated-) Content positionieren.
Hierzu braucht es (wieder) große Visionen und Passion for Fashion!
Die Verlierer werden alle Fashion-Online-Shops sein, die von Allem etwas ein bisschen machen.