Mittwoch, 22. Oktober 2008

Mit multidimensionalen Produktbewertungen beim Kunden punkten und Retouren senken

Inzwischen ist die ACTA 2008 erschienen. Diese jährlich erscheinende Studie zum Online-Nutzungsverhalten der deutschen Bevölkerung lieferte auch dieses Jahr viele interessante Ergebnisse, die u.a. zeigen, wie sich das Einkaufsverhalten der Deutschen im und durch das Internet verändert.
In diesem Beitrag möchte ich den Einfluss von Produktbewertungen durch Internetuser herausgreifen und ein paar Ansätze aufzeigen, wie Onlineshops ihre Produktbewertungen verbessern und damit den Nutzen für ihre Kunden steigern können.

Produktbewertungen durch Nutzer glaubwürdiger als Warentests
In einer frei zugänglichen Präsentation von Dr. Schneller zum Thema "Internetinduzierte Veränderungen von Kaufentscheidungen und Kaufverhalten" wird deutlich, dass Produktbewertungen durch andere Nutzer einen sehr hohen Einfluss auf das Kaufverhalten haben. Diskutiert wurde das Thema z.B. auch schon bei Jochen Krisch oder bei Handelskraft. In einem Gastbeitrag bei statista führt Dr. Schneller vom IfD Allensbach dieses Thema noch weiter aus. Er schreibt dort:
"In letzter Zeit finden daneben zunehmend Kommentare und Bewertungen von anderen Internetnutzern Beachtung, die mit den gewünschten Produkten oder Dienstleistungen schon Erfahrungen gesammelt haben. Fast jeder zweite private Internetnutzer (44 Prozent) berücksichtigt solche Informationen bei seiner Produktauswahl und Kaufentscheidung. Die Mehrheit der Onliner (52 Prozent), die nach Kommentaren und Bewertungen sucht und sie bei der Entscheidung berücksichtigt, ist von deren Verlässlichkeit überzeugt. Dem Urteil der anderen Nutzer, das in Kommentaren oder Bewertungen wiedergegeben wird, schenken potenzielle Käufer damit sogar in höherem Maße Vertrauen als redaktionellen Produktbewertungen (49 Prozent), die von Internet-Seiten von Zeitungen oder Zeitschriften veröffentlicht werden. Online-Informationen der Hersteller trauen dagegen vier von zehn Informationssuchende (39 Prozent)."
Und Dr. Schneller schreibt weiter:
"Besonders auffällig: Je affiner Nutzer für den Onlinekauf sind, desto größer ist die Bedeutung, die die Bewertungen anderer Nutzer bei der eigenen Kaufentscheidung spielen."
(Quelle: "Die Meinung der Anderen" Gastbeitrag von Dr. Schneller auf statista.org)

Ich selbst bin schon seit längerem der Meinung, dass Produktbewertungen eine wichtige Rolle beim (Online-) Einkauf spielen und für jeden Onlineshop unverzichtbar sind. Durch Produktbewertungen kann ein Onlineshop Vertrauen und Bindung der Kunden erhöhen. Mithilfe von Produktbewertungen liefert der Shop dem Kunden eine wichtige Hilfestellung bei der Kaufentscheidung und kann gleichzeitig seine Retourenquote senken. Welche Möglichkeiten ein Onlineshop hat, um den positiven Einfluss der Produktbewertungen zu verstärken, möchte ich im Folgenden anhand von ein paar Best-Practice-Beispielen aufzeigen.

Multidimensionale Produktbewertungen
In deutschen Onlineshops sind Produktbewertungen durch Kunden noch nicht allzu weit verbreitet, und wenn vorhanden, meistens sehr simpel. In der Regel kann der Kunde ein Produkt mit Sternen bewerten und / oder einen Kommentar dazu abgeben. In jeder Hinsicht besser geeignet sind aus meiner Sicht multidimensionale Produktbewertungen, wie sie in amerikanischen Onlineshops schon häufiger zu sehen sind.
Die Aussagekraft der Produktbewertung kann idealerweise in drei unterschiedlichen Dimensionen verbessert werden:

  1. Bewertung der Produktqualität anhand von sortimentsspezifischen Kriterien
  2. Bewertung der Passform eines Produktes anhand von geeigneten Kriterien
  3. Klassifizierung des "Produktbewertenden", damit der Interessent die Relevanz der Bewertung besser einschätzen kann.
Hier zur Verdeutlichung ein paar Beispiele aus unterschiedlichen Branchen:

Bei Technik sind für mich z.B. Valoony, Buy.com, Circuit City und HomeandBeyond.com Best-Practice.
Beispiel Valoony:

Und hier der Link zu den Beispielen von Buy.com, Circuit City und HomeandBeyond.com.

Für Mode findet man Best-Practices u.a. bei REVOLVEclothing.com, Shoes.com, Freshpair, The Finish Line und Zales.
Beispiel REVOLVEclothing.com:
Und hier der Link zu den Beispielen von Shoes.com, Freshpair, The Finish Line und Zales.

In den meisten dieser Beispiele kann der Kunde das Produkt bereits in zwei Dimensionen jeweils anhand mehrerer sortimentsspezifischer Kriterien bewerten und zusätzlich natürlich freien Text eingeben.

Doch die absolute Kür der Bewertung durch User findet man derzeit nicht bei einem Onlineshop, sondern in einer anderen Branche. HolidayCheck - "das Meinungsportal für Reise und Urlaub" - bietet derzeit die beste multidimensionale Bewertung, die ich kenne. Diese Form von detaillierter Bewertung bietet mir als User einen sehr hohen Nutzen und liefert noch viele weitere Ideen, wie auch Onlineshops ihre Produktbewertungen weiter verbessern können.
Beispiel HolidayCheck:
Hier kann ich die Bewertungen nach unterschiedlichen Zielgruppen selektieren, die Bewertungen nach unterschiedlichen Kriterien sortieren und mir den Trend der Bewertungen im Zeitverlauf ansehen. Auf alle Details einzugehen, würde für diesen Beitrag zu weit gehen.

Fazit
Produktbewertungen von Kunden werden immer wichtiger und spielen inzwischen eine bedeutende Rolle beim Einkaufen. Onlineshops können durch Produktbewertungen den Kundennutzen steigern und die Retourenquote senken. Um diese Potentiale optimal zu nutzen, sind aber sortimentsspezifische und multidimensionale Produktbewertungen notwendig.

P.S.:
Dabei müssen Onlineshops nicht zwangsläufig eigene Produktbewertungen entwickeln, sondern können auch auf externe Ressourcen zurückgreifen und diese einbinden. In den USA nutzen z.B. viele Shops die Lösung von PowerReviews.

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