Montag, 20. Oktober 2008

Zalando verkauft Schuhe à la Zappos in Deutschland

Wie bei Jochen Krisch gelesen, hat der European Founders Fund der Samwer Brüder sich an Zalando - einem Online-Schuhshop beteiligt. Zalando soll nach Vorbild des amerikanischen Onlineversenders Zappos.com den deutschen Schuhmarkt erobern. Laut einem Beitrag von Lukasz Gadowski in der Gründerszene hält der European Founders Fund knapp 70% der Anteile, während der Rest bei den beiden Gründern Robert Gentz und David Schneider liegt.

Insbesondere durch kostenlosen Versand und Rückversand, schnelle Bearbeitung von Bestellungen und jeglichen Anfragen, kostenloser Hotline mit kompetenter Beratung sowie einfachen Prozessen, soll das Erfolgsmodell von Zappos auf Deutschland übertragen werden.

Ob das allein als USP ausreicht, bleibt aus meiner Sicht fraglich. Kostenlosen Versand und kostenlose Rücknahme bietet z.B. in Deutschland auch der Onlineshop von Marc Shoes.
Insgesamt denke ich, dass sich kostenloser Versand und kostenlose Rücknahme auch im deutschen Ecommerce eher als Standards, denn als USPs etablieren werden.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor von Zappos und auch von Endless in den USA, ist der Category Killer-Ansatz. Zappos hatte heute über 41.000 Damenschuhe im Angebot - Endless immerhin rund 35.000 Damenschuhe. In dieser Hinsicht ist hierzulande Amazon weit vorne - mit insgesamt über 35.000 Schuhen im Angebot, von denen bereits über 7.000 bei Amazon selbst auf Lager sind (also ebenfalls kostenloser Versand und mit dem Amazon-Prime-Service sehr schnelle Bearbeitung der Bestellung).

Weiter sind amerikanische Onlineshops im Schuhbereich wie z.B. Zappos, Endless, Shoebuy.com und shoes.com auch sehr fortschrittlich, was Navigation und Features angeht. Besonders wichtig halte ich die detaillierten Bewertungsmöglichkeiten, bei denen die Kunden u. a. auch die Passform bewerten können (weitere Infos und Beispiele in einem älteren Beitrag hier). Durch die Passformbewertung lässt sich sicherlich die hohe Retourenquote in diesem Sortiment senken. Bei Zalando ist bisher nur eine Bewertung von Tragekomfort, Aussehen und Qualität vorgesehen (aber immerhin schon eine detailliertere Bewertung).

Der richtige Start steht Zalando wahrscheinlich noch bevor - bisher gibt es insgesamt erst knapp 150 Schuhe im Angebot und eine Pressemitteilung gab es auch noch nicht. Zum Start wünsche ich dem Team auf jeden Fall viel Erfolg.
Eins ist sicher: Der deutsche Onlinemarkt für Schuhe ist noch nicht verteilt und bietet somit vorhandenen und neuen Wettbewerbern viele Chancen.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

mydeco.com - ein weiteres Paradebeispiel für Social Shopping plant internationalen Launch

Auch wenn es mydeco.com bereits etwas länger gibt, hat die Site bisher hierzulande kaum Beachtung gefunden. Zu Unrecht, denn mydeco.com - eine Mischung aus Social Shopping Site und Produktportal im Bereich Wohnen / Einrichten - zeigt sehr imposant, wie Onlineshopping zukünftig aussehen kann.

Zuerst ein paar Hintergrundinformationen
mydeco wurde 2007 von den Lastminute.com-Gründern Brent Hoberman und Martha Lane Fox gegründet und im Februar 2008 in UK gelauncht. mydeco ist Partnerschaften mit Herstellern wie Heal’s, John Lewis und Lombok eingegangen und hat führenden Möbeldesigner, wie z.B. Sir Terence Conran und Philippe Starck für die Design-Direktion gewonnen. Vorstandsvorsitzender ist David Kelly, der ehemalige Vice President of European Business Operations bei Ebay. In einer ersten Finanzierungsrunde hatten Arts Alliance Ventures, SPARK Ventures, Yoo und weitere Investoren rund 6,5 Mio EUR investiert (siehe auch businessweek). Im September 2008 gab es eine zweite Finanzierungsrunde in der Sofinnova Partners, SRPE, Amadeus Capital Partners und Burda Cross Media rund 9,5 Mio. EUR investiert haben (siehe auch Pressemitteilungen hier und hier). Der internationale Launch von mydeco (inklusive einer deutschen Version) ist für 2009 geplant.
Mydeco liefert dem User umfangreiche Hilfestellungen und Inspirationen bei der Planung und Einrichtung von Wohnungen und anderen Räumen. Die Hauptbereiche von mydeco sind Shopping, Buy the Look, Plan my Room, The Magazin, Community und Q&A.

Shopping
Im Bereich Shopping gibt es eine umfangreiche und übersichtliche Produktvergleichsplattform mit über 1,5 Mio Produkten von mehr als 690 Einzelhändlern. Sortimentsspezifische Filter- und Sortiermöglichkeiten, Produktdetailseite mit detaillierten Bewertungen und z.T. 3D-View und Produktempfehlungen sind hier größtenteils state-of-the-art. Mit einem Store-Locator und Google Maps werden nahe gelegene Kaufhäuser angezeigt. Erwähnenswert auch die Möglichkeit sich mit „Shop by style“ nur Produkte anzeigen zu lassen, die dem eigenen Wohnstil entsprechen.



Buy the Look
Im Bereich Buy the Look kann der User sich von über 1.000 virtuellen Räumen inspirieren lassen. Die realistisch anmutende Räume wurden mit einem 3D-Tool gestaltet und können bewertet werden. Hier gibt es Celebrity-Stiles oder Einrichtungen von bekannten Hotels, Restaurants und Bars sowie von namhaften Designern. Diese Inspirationen lassen sich nach Budget filtern und für jeden virtuellen Raum gibt eine Artikelliste aller verwendeten Möbel und Accessoires mit direkten Links zu den jeweiligen Shops.


Plan my Room
Der Bereich Plan my Room bietet die besten 3D-Raumplaner-Tools, die ich bisher gesehen habe. Die damit entworfenen Räume kann der User auch in die Community einbringen und dort z.B. durch andere User bewerten oder kommentieren lassen.
The Magazin / Q&A
In den Bereichen The Magazin und Q&A findet der User sehr viel nützlichen Content rund um Style- und Designideen, Planungs- und Einkaufsguides, Do-It-Yourself-Fragestellungen.

Community
Der Community-Bereich ist der umfangreichste bei mydeco - hier gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten sich mit anderen Usern auszutauschen. Diskussionen zu Räumen und Styles, eigene Blogeinträge erstellen, in speziellen Gruppen oder mit Designern diskutieren oder Tipps weitergeben, sind nur einige davon.
Fazit
Insgesamt schafft mydeco ein komplexes Universum mit Hilfestellungen und Inspirationen rund um das Thema Wohnen. Der einzige Nachteil ist gerade diese Komplexität, die sicherlich den einen oder anderen User mit den vielfältigen Möglichkeiten überfordert. Aber aufgrund all dieser Möglichkeiten und Features hat mydeco das Potential zu dem führenden Portal rund um das Thema Wohnen zu werden und dabei Content, Shopping und Community auf eine einzigartige Weise miteinander zu verbinden.
Da Wohnen ebenso wie Mode von Geschmack, Design und Inspiration geprägt wird, bietet mydeco gleichzeitig eine Blaupause für die Weiterentwicklung der Social Shopping Plattformen im Bereich Mode / Fashion.

Dienstag, 7. Oktober 2008

HUGO BOSS verkauft nun selbst online

Seit rund zwei Wochen hat nun auch HUGO BOSS einen eigenen Onlineshop. Den HUGO BOSS Online Store gibt es aber vorerst nur für UK und nur mit Artikeln aus der hochpreisigen BOSS Black Kollektion.
Laut Pressemitteilung der für den Shop verantwortlichen Agentur Werbewelt ist in 2009 "ein sukzessiver Rollout in weiteren europäischen Kernländern geplant".
Die Pressemitteilung ist schon interessant - so erfahren wir, dass sich Werbewelt (hält seit neun Jahren den weltweiten Online Etat von HUGO BOS) in einem Pitch gegen renommierte deutsche und internationale Agenturen durchgesetzt hat. Da Werbewelt, wie es scheint, noch keine Erfahrung mit Onlineshops hat, wurde auch ein Jahr Entwicklungsarbeit in den Shop gesteckt. Na ja, vielleicht hätten andere das schneller geschafft, aber vielleicht nicht genauso gut. Laut Pressemitteilung "wird eine Premium-Erlebniswelt für den User kreiert" und es werden sogar neue Maßstäbe im Ecommerce gesetzt. Auch die Zoomansicht soll einzigartig sein.

Hört sich toll an - schauen wir mal:
Für mich kein besonderer Shop. Was positiv auffällt, ist die recht übersichtliche Gestaltung und die größtenteils intuitive Navigation. Auch gibt es für jede Farbe ein eigenes Artikelbild und zu jedem Artikel auch eine Rückansicht. Weiter wurde auch an Empfehlungen von weiteren passenden Artikeln gedacht. Was mir weniger gefällt ist z.B. der graue Hintergrund oder die Suche, die sowohl Herren- als auch Damenartikel als Ergebnisse liefert.
Aber auf keinem Fall finde ich hier irgendetwas Einzigartiges oder gar neue Maßstäbe für den Ecommerce. Auf der Hersteller-Seite finde ich die Shops von La Perla, Armani, Gucci und Ralph Lauren etc. genauso o.k. und zum Teil sogar besser (und der Zoom kann bei fast allen anderen Shops mehr :-).

Aus Kundensicht wünsche ich mir auch bei den Premiumdesignern kein exklusives Markenerlebnis, sondern einen gut gemachten Shop, bei dem ich gerne einkaufe. Also liebe Premiummarken, verkauft doch bitte Eure Produkte bei Yoox, asos, Bluefly, Endless, NET-A-PORTER oder REVOLVE Clothing. Dort werden die Produkte auch in einem schönen Umfeld präsentiert und was einen guten Onlineshop ausmacht, das wissen die einfach besser.