Samstag, 2. Mai 2009

Update aus dem Online-Modemarkt 2009: Bekleidung boomt weiter - Amazon gegen OTTO, Quelle & Co

Das letzte Jahr brachte wieder Wachstum für den Online-Modemarkt. Wir erinnern uns in der Pressemitteilung vom 05.11.08 berichtete der bvh, das in 2008 insgesamt 31,44 Mio. Online-Käufer 13,4 Mrd. Euro für Waren im Internet ausgegeben haben. Der Onlineumsatz für Bekleidung, Textilien und Schuhe stieg um 18,2% auf 4,6 Mrd. Euro in 2008 - damit war Mode die umsatzstärkste Warengruppe im Internet.

Letzte Woche - am 24.4.2009 gab GfK die Ergebnisse des Online Shopping Survey 2009 bekannt: Demnach war Mode auch gemessen an der Zahl der Online-Käufer in 2008 erstmals auf den Spitzenplatz - mit 12,6 Mio. Käufern (+ 1,1 Mio. zu 2007).

Wenn man die Zahlen zueinander in Beziehung setzt, haben die 12,6 Mio. Online-Käufer für Mode durchschnittlich 365,- Euro in 2008 für Bekleidung und Schuhe ausgegeben.

Spannend ist natürlich die Frage, wie sich dieses Marktpotential auf die einzelnen Wettbewerber aufgeteilt hat. Leider gibt es dazu keine genauen Daten, so dass man nur eine grobe Überschlagsrechnung machen kann. Hier die geschätzten Umsätze und Marktanteile in der Übersicht (wer sich für die Herleitung der Zahlen interessiert, findet diese am Ende des Artikels).


Das große Marktpotential im Online-Modemarkt wird natürlich weiterhin zu spannenden Entwicklungen führen und auch weiterhin neue Wettbewerber anlocken.
Doch auch die größten Onlinehändler in Deutschland - Amazon und die Otto Group - sind aktiv dabei ihre Marktanteile im Modemarkt weiter auszubauen.

Amazon denkt darüber nach, auf eigene Rechnung ins Modegeschäft einzusteigen. Die Deutschlandtochter nimmt damit den Kampf mit den großen Versandhäusern auf, berichtete das Handelsblatt am 27.4.09 im Artikel „Amazon prüft Einstieg in die Mode“. Aber schon durch die bisherigen Verkäufer auf der Amazon-Plattform ist Amazon der Onlineshop mit dem größten Angebot für Mode geworden (siehe früherer Beitrag). Und mit Endless hat Amazon bereits bewiesen, das sie auch Modesortimente kompetent online verkaufen können. Ich würde damit rechnen, dass dieses Konzept auch auf andere (Mode-) Sortimente und Länder übertragen wird.

Und Otto plant mit YaLook einen neuen Onlineshop für Fashion, der den Online-Modemarkt mit einem hochattraktiven Portfolio an profilierten Modemarken erobern will - berichtete diese Woche Jochen Krisch in Exciting Commerce.

Herleitung zur Abschätzung der Umsätze / Marktanteile

Disclaimer: Alle Ableitungen stellen nur grobe Schätzungen dar, die es ermöglichen sollen ein Gefühl für den deutschen Onlinemarkt für Mode zu bekommen.

Amazon hatte 2007 zum ersten Mal über 1 Mrd. Umsatz in Deutschland gemacht (siehe hier). In 2008 konnte Amazon den Umsatz im internationalen Geschäft um 33% steigern. Wenn diese Entwicklung auch in Deutschland zutrifft, hätte Amazon in 2008 1,33 Mrd. Euro Umsatz in Deutschland gemacht. Insgesamt entfielen in 2008 39% des Umsatzes auf die Sortimente Electronics & Computers, Devices, Home & Garden, Toys, Kids & Baby, Grocery, Apparel, Shoes & Jewelry, Health & Beauty, Sports & Outdoors, Tools, Auto & Industrial (siehe hier). Somit hätte Amazon in Deutschland rd. 0,5 Mrd. Euro mit diesen Sortimenten gemacht. Den Anteil von Bekleidung würde ich auf max. 10% schätzen, dann käme Amazon 2008 auf einen Onlineumsatz für Bekleidung und Schuhe in Höhe von 50 Mio. Euro in Deutschland.

Die Otto Group gibt für das Geschäftsjahr 2008/09 eine Online-Nachfrage in Höhe von 4 Mrd. Euro für Deutschland an (siehe hier). Um die Online-Nachfrage mit den Nettoumsätzen vergleichbar zu machen, würde ich einen Abschlag von 40% machen - den Umsatzanteil von Bekleidung würde ich auf ca. 60% schätzen, somit würde der Onlineumsatz der Otto Group für Bekleidung und Schuhe in 2008 bei rd. 1,4 Mrd. Euro liegen.

Arcandor weist im Geschäftsbericht 2007/08 für die Primondo Gruppe einen Umsatz in Höhe von rd. 4,3 Mrd. Euro aus. Abzüglich der 605 Mio. Euro für das internationale Geschäft verbleiben rd. 3,7 Mrd. Euro in Deutschland (siehe hier). Im Geschäftsbericht kann man auch lesen, dass 40% aller Bestellungen bei Quelle über das Internet eingehen - vereinfacht gerechnet liegt dann der gesamte Onlineumsatz der Primondo Gruppe in Deutschland bei rd. 1,5 Mrd. Euro. Mit einem geschätzten Umsatzanteil von 50% für Bekleidung würde der Onlineumsatz der Primondo Gruppe für Bekleidung und Schuhe in 2008 bei rd. 0,7 Mrd. Euro liegen.

Bei den weiteren Wettbewerbern im Onlinemarkt für Mode würde ich folgende Umsätze in 2008 (nur für Bekleidung und Schuhe) schätzen:

Sonntag, 1. März 2009

Exklusiver Preview auf den Relaunch von Görtz

Letzte Woche habe ich Cornela und Marc getroffen, zwei alte Bekannte, die bei Görtz arbeiten und sich dort um den Onlineshop kümmern.
Die beiden erzählten begeistert von dem Relaunch des Onlineshops und haben mir einen Link zur Verfügung gestellt, der mir einen Einblick verschaffte, welche Neuerungen und Verbesserungen der Relaunch mit sich bringt.

Während in den USA im Onlinemarkt für Schuhe ein starker Wettbewerb herrscht, in dem u.a. Zappos, Endless, Heels.com, shoebuy.com und shoes.com schon auf sehr hohem Niveau agieren, wirkt der deutsche Onlinemarkt für Schuhe noch etwas stiefmütterlich. Um so mehr war ich gespannt, ob es mit dem Relaunch von Görtz auch hierzulande mal einem großen Schuh-Onlineshop gelingt, sich diesen amerikanischen Benchmarks zu nähern.

Hier also meine Eindrücke.

Die neue Görtz Homepage
Die neue Startseite wirkt, im Vergleich zu der bisherigen, sehr viel moderner und erscheint, obwohl sie jetzt mehr Inhalte als die bisherige Startseite beinhaltet, aufgeräumter und ruhiger.

Gut gefällt mir, dass der Kunde zu allen wichtigen Bereichen der Site jetzt einen direkten Zugang findet. Ein wichtiger Aspekt für Onlineshops wurde hier realisiert - der Kunde kann unterschiedliche Zugänge ins Sortiment wählen. Neben den Sortimenten und direkten Links in die Untersortimente kann der Kunde auch anhand von Markenshops, Trends und Sets durch die Artikel stöbern. Ganz neu dabei ist der Bereich Sets, in dem Kunden zueinander passende Artikel in Produkt-Collagen à la polyvore entdecken und bewerten können.

Mit diesem neuen Zugang ins Sortiment schafft Görtz für Kunden eine Inspirations- und Erlebniskomponente und differenziert sich damit von den Wettbewerbern (sogar von den amerikanischen). Spannend wird sein, inwieweit auch Kunden zukünftig Sets erstellen können und wie stark dies dann genutzt wird.

Einstiegsseite ins Sortiment
Nach dem Klick auf z.B. "Schuhe" - "Damen" ist der Kunde im Gegensatz zum alten Onlineshop direkt bei den Produkten und bekommt die einzelnen Schuhe angezeigt.Hier gefällt mir, dass man nicht mehr unbegrenzt scrollen muss, sondern sich durch einzelne Seiten navigieren kann. Besonders hilfreich finde ich, dass man jetzt auch die Filter nach Form, Farbe und Marke miteinander kombinieren kann, um somit schneller zu den gewünschten Artikeln zu kommen.

Verbesserungspotential gibt es m. E. in zwei Punkten:

  • Die intuitive Bedienbarkeit der Filter würde sich durch eine Anordnung auf der linken Seite mit teilweise ausgeklappten Filtern noch weiter erhöhen. Hierfür ist z. B. Endless ein Benchmark. Die horizontale Anordnung der Filter und der Zugriff über Layer sind für mich nicht intuitiv.
  • Weiter sollte sich die Produktliste / Produktübersicht in Onlineshops nach unterschiedlichen Kriterien sortieren lassen. Eine Auswahl bzgl. der Sortierung nach Preis, Neuheiten, Beliebtheit und Bewertung halte ich bei einer großen Auswahl für wichtig.
Die Artikeldetailseite
Die neue Artikeldetailseite bei Görtz ist wesentlich verbessert worden.

Bei der Artikeldetailseite gefällt mir zuerst das gelungene, moderne Layout, das an ein wenig an asos und NET-A-PORTER.COM erinnert.
Insgesamt wirkt die Artikeldetailseite sehr aufgeräumt und bietet alle wichtigen Details auf einen Blick. Dazu gehören neben Artikelbildern und Detailbeschreibung auch Produktempfehlungen sowie Pflegetipps.
Auch bei den Artikelbildern gibt es wesentliche Verbesserungen - neben den unterschiedlichen Ansichten und dem stufenlosen Zoom gibt es jetzt auch eine 3D-Rund-um-Ansicht und ein Bild, das den Schuh am Fuß zeigt - ein must-have für die Artikeldarstellung bei Schuhen.

Verbesserungspotential sehe ich vor allem hinsichtlich der (noch?) fehlenden Bewertungsfunktion. Die multidimensionale Produktbewertung durch den Kunden, also auch bzgl. der Passform ist aus meiner Sicht ein wichtiges Feature, dass Interessenten bei der Kaufentscheidung hilft (mehr dazu hier).

Fazit
Mit dem Relaunch schafft Görtz einen großen Schritt nach vorne und wird damit hoffentlich den etwas zurückgeblieben deutschen Online-Schuhmarkt positiv beeinflussen. Neben dem Newcomer Zalando (Bericht dazu hier) gelingt es Görtz, als einem der ersten Marktführer, hinsichtlich Layout, Navigation und Features zu den amerikanischen Best-Practices aufzuschließen. Durch die Integration von Sets à la polyvore schafft Görtz darüber hinaus noch eine zusätzliche Inspirationsquelle für Schuhkäufer.

Dem Team von Görtz an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zu dem gelungenen Relaunch. Der neue Shop, der übrigens Demandware als E-Commerce-Plattform nutzt, soll im Laufe der Woche live geschaltet werden.

Für die internationale Top-Liga der Online-Schuhshops reicht es allerdings noch nicht ganz - hierzu sind insbesondere Produktbewertungen, intuitiver bedienbare Filter und Sortiermöglichkeiten für Produktlisten und Suchergebnisse notwendig.

Mit meiner etwas umfangreicheren Rezension konnte ich hoffentlich auch anderen Start-Ups und Onlinehändlern im Modebereich Anregungen für den eigenen Shop liefern.

Hier abschließend noch drei Übersichtsbilder, die den direkten Vergleich bzgl. dem neuen und alten Onlineauftritt zeigen:

Freitag, 30. Januar 2009

Amazon trotzt der Krise und steigert Umsatz in 2008 um 29% auf 19,2 Mrd.

Gestern und heute hat Amazon detaillierte Zahlen für 2008 veröffentlicht.
Insgesamt konnte Amazon weltweit die Umsätze um 29% von 14,8 Mrd. US-$ in 2007 auf 19,2 Mrd. US-$ in 2008 steigern.
Dabei erzielte Amazon in Nordamerika eine Umsatzsteigerung in Höhe von 26% und in den anderen Ländern sogar eine Umsatzsteigerung in Höhe von 33%.

Bezogen auf die einzelnen Segmente teilte sich der Umsatz in 2008 wie folgt auf:

  • Media (Books, Movies, Music, Digital Downloads, Software, Video Games): 11,1 Mrd. US-$.
  • Electronics & Other General Merchandise (Electronics & Computers, Devices, Home & Garden, Toys, Kids & Baby, Grocery, Apparel, Shoes & Jewelry, Health & Beauty, Sports & Outdoors, Tools, Auto& Industrial): 7,5 Mrd. US-$.
  • Other (Amazon Enterprise Solutions, Amazon Web Services, Co-branded Credit Cards & Miscellaneous Marketing): 0,5 Mrd. US-$.
Interessant ist auch zu lesen, was sich Amazon den Lieferservice inkl. Amazon Prime kosten lässt, um damit Kunden zu gewinnen und zu binden. Laut dem 10-K SEC Filing hat Amazon weltweit in 2008 835 Mio. US-$ über Versandkosten und Amazon Prime Gebühren etc. eingenommen. Die gesamten Ausgaben für die Lieferungen betrugen rd. 1,5 Mrd. US-$ - somit wurde der gesamte Lieferservice in 2008 mit 630 Mio. US-$ "gesponsort".
Amazon schreibt dazu:
"We believe that offering low prices to our customers is fundamental to our future success. One way we offer lower prices is through free-shipping offers that result in a net cost to us in delivering products, as well as through membership in Amazon Prime. To the extent our customers accept and use our free shipping offers at an increasing rate, including memberships in Amazon Prime, our net cost of shipping will increase. We seek to partially mitigate the costs of lowering prices over time through achieving higher sales volumes, negotiating better terms with our suppliers, and achieving better operating efficiencies."

Und hier die Quellen: