Sonntag, 1. März 2009

Exklusiver Preview auf den Relaunch von Görtz

Letzte Woche habe ich Cornela und Marc getroffen, zwei alte Bekannte, die bei Görtz arbeiten und sich dort um den Onlineshop kümmern.
Die beiden erzählten begeistert von dem Relaunch des Onlineshops und haben mir einen Link zur Verfügung gestellt, der mir einen Einblick verschaffte, welche Neuerungen und Verbesserungen der Relaunch mit sich bringt.

Während in den USA im Onlinemarkt für Schuhe ein starker Wettbewerb herrscht, in dem u.a. Zappos, Endless, Heels.com, shoebuy.com und shoes.com schon auf sehr hohem Niveau agieren, wirkt der deutsche Onlinemarkt für Schuhe noch etwas stiefmütterlich. Um so mehr war ich gespannt, ob es mit dem Relaunch von Görtz auch hierzulande mal einem großen Schuh-Onlineshop gelingt, sich diesen amerikanischen Benchmarks zu nähern.

Hier also meine Eindrücke.

Die neue Görtz Homepage
Die neue Startseite wirkt, im Vergleich zu der bisherigen, sehr viel moderner und erscheint, obwohl sie jetzt mehr Inhalte als die bisherige Startseite beinhaltet, aufgeräumter und ruhiger.

Gut gefällt mir, dass der Kunde zu allen wichtigen Bereichen der Site jetzt einen direkten Zugang findet. Ein wichtiger Aspekt für Onlineshops wurde hier realisiert - der Kunde kann unterschiedliche Zugänge ins Sortiment wählen. Neben den Sortimenten und direkten Links in die Untersortimente kann der Kunde auch anhand von Markenshops, Trends und Sets durch die Artikel stöbern. Ganz neu dabei ist der Bereich Sets, in dem Kunden zueinander passende Artikel in Produkt-Collagen à la polyvore entdecken und bewerten können.

Mit diesem neuen Zugang ins Sortiment schafft Görtz für Kunden eine Inspirations- und Erlebniskomponente und differenziert sich damit von den Wettbewerbern (sogar von den amerikanischen). Spannend wird sein, inwieweit auch Kunden zukünftig Sets erstellen können und wie stark dies dann genutzt wird.

Einstiegsseite ins Sortiment
Nach dem Klick auf z.B. "Schuhe" - "Damen" ist der Kunde im Gegensatz zum alten Onlineshop direkt bei den Produkten und bekommt die einzelnen Schuhe angezeigt.Hier gefällt mir, dass man nicht mehr unbegrenzt scrollen muss, sondern sich durch einzelne Seiten navigieren kann. Besonders hilfreich finde ich, dass man jetzt auch die Filter nach Form, Farbe und Marke miteinander kombinieren kann, um somit schneller zu den gewünschten Artikeln zu kommen.

Verbesserungspotential gibt es m. E. in zwei Punkten:

  • Die intuitive Bedienbarkeit der Filter würde sich durch eine Anordnung auf der linken Seite mit teilweise ausgeklappten Filtern noch weiter erhöhen. Hierfür ist z. B. Endless ein Benchmark. Die horizontale Anordnung der Filter und der Zugriff über Layer sind für mich nicht intuitiv.
  • Weiter sollte sich die Produktliste / Produktübersicht in Onlineshops nach unterschiedlichen Kriterien sortieren lassen. Eine Auswahl bzgl. der Sortierung nach Preis, Neuheiten, Beliebtheit und Bewertung halte ich bei einer großen Auswahl für wichtig.
Die Artikeldetailseite
Die neue Artikeldetailseite bei Görtz ist wesentlich verbessert worden.

Bei der Artikeldetailseite gefällt mir zuerst das gelungene, moderne Layout, das an ein wenig an asos und NET-A-PORTER.COM erinnert.
Insgesamt wirkt die Artikeldetailseite sehr aufgeräumt und bietet alle wichtigen Details auf einen Blick. Dazu gehören neben Artikelbildern und Detailbeschreibung auch Produktempfehlungen sowie Pflegetipps.
Auch bei den Artikelbildern gibt es wesentliche Verbesserungen - neben den unterschiedlichen Ansichten und dem stufenlosen Zoom gibt es jetzt auch eine 3D-Rund-um-Ansicht und ein Bild, das den Schuh am Fuß zeigt - ein must-have für die Artikeldarstellung bei Schuhen.

Verbesserungspotential sehe ich vor allem hinsichtlich der (noch?) fehlenden Bewertungsfunktion. Die multidimensionale Produktbewertung durch den Kunden, also auch bzgl. der Passform ist aus meiner Sicht ein wichtiges Feature, dass Interessenten bei der Kaufentscheidung hilft (mehr dazu hier).

Fazit
Mit dem Relaunch schafft Görtz einen großen Schritt nach vorne und wird damit hoffentlich den etwas zurückgeblieben deutschen Online-Schuhmarkt positiv beeinflussen. Neben dem Newcomer Zalando (Bericht dazu hier) gelingt es Görtz, als einem der ersten Marktführer, hinsichtlich Layout, Navigation und Features zu den amerikanischen Best-Practices aufzuschließen. Durch die Integration von Sets à la polyvore schafft Görtz darüber hinaus noch eine zusätzliche Inspirationsquelle für Schuhkäufer.

Dem Team von Görtz an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zu dem gelungenen Relaunch. Der neue Shop, der übrigens Demandware als E-Commerce-Plattform nutzt, soll im Laufe der Woche live geschaltet werden.

Für die internationale Top-Liga der Online-Schuhshops reicht es allerdings noch nicht ganz - hierzu sind insbesondere Produktbewertungen, intuitiver bedienbare Filter und Sortiermöglichkeiten für Produktlisten und Suchergebnisse notwendig.

Mit meiner etwas umfangreicheren Rezension konnte ich hoffentlich auch anderen Start-Ups und Onlinehändlern im Modebereich Anregungen für den eigenen Shop liefern.

Hier abschließend noch drei Übersichtsbilder, die den direkten Vergleich bzgl. dem neuen und alten Onlineauftritt zeigen:

Freitag, 30. Januar 2009

Amazon trotzt der Krise und steigert Umsatz in 2008 um 29% auf 19,2 Mrd.

Gestern und heute hat Amazon detaillierte Zahlen für 2008 veröffentlicht.
Insgesamt konnte Amazon weltweit die Umsätze um 29% von 14,8 Mrd. US-$ in 2007 auf 19,2 Mrd. US-$ in 2008 steigern.
Dabei erzielte Amazon in Nordamerika eine Umsatzsteigerung in Höhe von 26% und in den anderen Ländern sogar eine Umsatzsteigerung in Höhe von 33%.

Bezogen auf die einzelnen Segmente teilte sich der Umsatz in 2008 wie folgt auf:

  • Media (Books, Movies, Music, Digital Downloads, Software, Video Games): 11,1 Mrd. US-$.
  • Electronics & Other General Merchandise (Electronics & Computers, Devices, Home & Garden, Toys, Kids & Baby, Grocery, Apparel, Shoes & Jewelry, Health & Beauty, Sports & Outdoors, Tools, Auto& Industrial): 7,5 Mrd. US-$.
  • Other (Amazon Enterprise Solutions, Amazon Web Services, Co-branded Credit Cards & Miscellaneous Marketing): 0,5 Mrd. US-$.
Interessant ist auch zu lesen, was sich Amazon den Lieferservice inkl. Amazon Prime kosten lässt, um damit Kunden zu gewinnen und zu binden. Laut dem 10-K SEC Filing hat Amazon weltweit in 2008 835 Mio. US-$ über Versandkosten und Amazon Prime Gebühren etc. eingenommen. Die gesamten Ausgaben für die Lieferungen betrugen rd. 1,5 Mrd. US-$ - somit wurde der gesamte Lieferservice in 2008 mit 630 Mio. US-$ "gesponsort".
Amazon schreibt dazu:
"We believe that offering low prices to our customers is fundamental to our future success. One way we offer lower prices is through free-shipping offers that result in a net cost to us in delivering products, as well as through membership in Amazon Prime. To the extent our customers accept and use our free shipping offers at an increasing rate, including memberships in Amazon Prime, our net cost of shipping will increase. We seek to partially mitigate the costs of lowering prices over time through achieving higher sales volumes, negotiating better terms with our suppliers, and achieving better operating efficiencies."

Und hier die Quellen:

Montag, 26. Januar 2009

Kopf-an-Kopf-Rennen der Shoppingclubs in Deutschland - Vente Privée und brands4friends bei 25 Mio. Euro Umsatz

Nach einer neuen Pressemitteilung von heute, dem 26. Januar 2009, hat brands4friends in 2008 einen Umsatz von über 25 Mio. Euro erreicht (Pressemitteilung / PDF).
Damit liefern sich die Shoppingclubs Vente Privée und brands4friends in Deutschland ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wie Jochen Krisch in Exciting Commerce berichtete, rechnete Vente Privée - laut einem Interview mit der Internet World Business (online nicht zugänglich) im Dezember - ebenfalls mit einem Umsatz in Höhe von 25 Mio. Euro in Deutschland.
Etwas dahinter liegt vermutlich BuyVIP, welche bisher keine Umsätze für 2008 kommuniziert haben. Wie man ebenfalls bei Exciting Commerce lesen konnte, hatte BuyVIP im ersten Halbjahr 2008 einen (europaweiten) Umsatz in Höhe von 12 Mio. Euro erzielt. Wenn man für BuyVIP einen Umsatz in Höhe von 15 Mio. Euro in Deutschland annimmt, haben diese drei Shoppingclubs 2008 in Deutschland zusammen rd. 65 Mio. Euro Umsatz gemacht.

Insgesamt gibt es in Deutschland bisher 14 Shoppingclubs - eine aktuelle Übersicht dazu bei exclusified!. Auch wenn die anderen Shoppingclubs teilweise deutlich kleiner sind, rechne ich damit, dass der Gesamtumsatz der Shoppingclubs in Deutschland in 2008 schon bei ca. 100 Mio. Euro lag.

Europaweit führt ganz klar Vente Privée mit einem - laut eigenen Angaben - prognostizierten Umsatz in Höhe von 600 Mio. Euro für 2008 (via exclusified! und Seedfinance) und 6,5 Mio. Mitgliedern (via Pressemitteilung).

Natürlich werden Umsätze und Marktanteile der Shoppingclubs noch eine ganze Weile weiter wachsen und sich in den nächsten Jahren, trotz des jetzt schon beachtlichen Niveaus, weiter vervielfachen.
Die Besonderheit der exklusiven Verkaufsaktionen verwässert aber zunehmend durch die steigende Anzahl der Shoppingclubs und die starke Zunahme der parallel laufen Aktionen. Dadurch besteht die Gefahr, dass Shoppingclubs immer mehr normalen Onlineshops ähneln, ohne deren Vorteile zu bieten.
Deshalb werden sich aus meiner Sicht in diesem Markt mittelfristig Wettbewerber profilieren, die auch jenseits vom niedrigen Preis Kundenzufriedenheit und Kundenbindung schaffen. Ansatzpunkte dafür bieten sich insbesondere bei Verbesserungen in der Usability und im Service.
Mehr dazu in einem älteren Beitrag: "Verwässern die exklusiven Shoppingclub-Konzepte allmählich?"