Sonntag, 9. November 2008

Politik 2.0: Neuer US-Präsident Barack Obama stellt persönliche Fotos auf Flickr

Der frisch gewählte US-amerikanische Präsident Barack Obama handelt deutlich anders als andere bekannte Politiker. Beeindruckend fand ich, dass er - bzw. seine Leute für ihn - über 50.000 Bilder aus seinem Wahlkampf bei Flickr hochgeladen hat.
Dabei auch persönliche Backstage-Fotos aus der Hotelsuite in der historischen Wahlnacht am 4.11.2008.

Meine Lieblingsbilder:
20081104_Chicago_IL_ElectionNight1258
20081104_Chicago_IL_ElectionNight0981

Die Web 2.0 Community mag das sehr - Barack Obama hat bei Flickr schon tausende von Kontakten und Kommentaren zu den Bildern erhalten.

Auch die deutsche Presse ist davon ganz begeistert, so schreibt z.B. der Spiegel:
"Was die Welt von jener Wahlnacht des 4. November 2008 zu sehen bekommt, ist ein faszinierender halb privater, halb offizieller Einblick in die persönliche Welt des Barack Obama. Es sind Fotos, die von keiner Agentur versendet, in keiner Zeitung abgedruckt wurden - sondern auf dem größten Online-Bilderportal Flickr.com stehen.

Sie sind festgehalten von Chef-Wahlkampffotograf David Katz und zeigen Obama mit seiner ganzen Familie - Cousinen, Schwiegereltern, Tanten, Schwager - am historischen Wahlabend in einer Hotelsuite in Chicago. Enge Berater und der künftige Vizepräsident Joe Biden samt Anhang sind dabei.

´Hochgeladen am 6. November 2008 von Barack Obama´, liest der User neben den Bildern."
Quelle: Artikel "Backstage in der Sieger-Suite" vom 7.11.2008 auf Spiegel Online.

Interessant auch das ausgefüllte Profil von Barack Obama auf Flickr:

Interessen:
Basketball, writing, loafing with kids


Lieblingsbücher & -autoren:
Song of Solomon (Toni Morrison), Moby Dick, Shakespeare's Tragedies, Parting the Waters, Gilead (Robinson), Self-Reliance (Emerson), The Bible, Lincoln's Collected Writings


Lieblingsfilme, -stars & -regisseure:
Casablanca, Godfather I & II, Lawrence of Arabia and One Flew Over the Cuckoo's Nest


Lieblingsmusik & -künstler:
Miles Davis, John Coltrane, Bob Dylan, Stevie Wonder, Johann Sebastian Bach (cello suites), and The Fugees


Diese Art von Politik 2.0 finde ich sympathisch. Das wäre doch auch etwas für unsere politischen und wirtschaftlichen Führer in Deutschland. Sympathiepunkte brauchen die doch eigentlich alle.

Donnerstag, 6. November 2008

Neue Zahlen des bvh: Ecommerce und Online-Modemarkt boomen weiter

Wieder gibt es neue Zahlen des Bundesverband des deutschen Versandhandels (bvh) zum Ecommerce. Hier die Links dazu:

Grundlage der Zahlen ist die Studie des Forschungsinstitut TNS Infratest für den bvh „Distanzhandel in Deutschland“, welche bereits in der Pressekonferenz des bvh vom 8.7.2008 vorgestellt wurde (siehe Pressemitteilung / Charts). Außerdem basieren die Daten auf ergänzenden aktuellen Zahlen aus der Allensbacher Computer und Technik-Analyse (ACTA 2008).

Somit sind die Zahlen teilweise nicht neu: Laut bvh sind die Ecommerce-Umsätze mit Waren in Deutschland in 2008 auf 13,4 Mrd. Euro gestiegen. Nach meiner Interpretation der Zahlen (siehe älterer Beitrag "bvh-Zahlen 2008 - E-Commerce treibt das Wachstum des Distanzhandels"), kam ich in einer groben Abschätzung sogar auf einen Ecommerce-Umsatz mit Waren in Höhe von rd. 15,8 Mrd. Euro.

Doch auch wenn ich in diesem Beitrag mal der Systematik des bvhs folge, zeigen sich sehr positive Entwicklungen im Ecommerce.

Ecommerce-Umsätze steigen in 2008 höher als erwartet
Am 6.3.2008 hat der bvh in einer Pressemitteilung den Umsatz im Onlinehandel mit Waren für 2008 noch auf 11,9 Mrd. Euro prognostiziert - somit stellen die aktuell genannten 13,4 Mrd. Euro noch mal eine deutliche Steigerung dar.

Auch wenn man sich die Verteilung auf die einzelnen Sortimente anschaut, gibt es erfreuliche Entwicklungen:


Der Online-Modemarkt boomt weiter und hat inzwischen ein Marktvolumen in Höhe von rd. 4,6 Mrd. Euro erreicht.

Anzahl der Onlinekäufer erreicht neuen Rekord

Die Anzahl der deutschen Onlinekäufer ist inzwischen auf 31,44 Mio. gestiegen und beschert damit auch den klassischen Multi-Channel-Händlern ein riesiges Potential an Neukunden. Zur Erinnerung: In den 90er Jahren sind die Distanzhändler der ersten Stunde noch davon ausgegangen, dass es nur ein begrenztes Potential von "versandhandelsaffinen" Kunden gibt. Somit ist der Distanzhandel in einer für den Handel beneidenswerten Situation - trotz rückläufiger Einzelhandelsumsätze, wächst der Distanzhandelsmarkt stark und gewinnt jedes Jahr aufs Neue eine große Anzahl zusätzlicher Kunden. Doch um an diesem Marktwachstum zu partizipieren, ist es wichtig zu verstehen, dass die neuen Onlinekäufer sich von den klassischen Katalogkunden unterscheiden.

Kundenansprache und Kaufverhalten ist bei Onlinekäufern anders
Gerade die Onlinekäufer, die neue Distanzhandelskäufer sind, verhalten sich anders. Und hier unterscheidet sich insbesondere das Verhalten von erfahrenen Online-Nutzern komplett vom Verhalten von Interneteinsteigern (Näheres im Beitrag von Jochen Krisch "ACTA 2008: E-Commerce in einer Zweiklassengesellschaft" sowie in meinem Beitrag "Mit multidimensionalen Produktbewertungen beim Kunden punkten und Retouren senken").
Thomas Lipke Geschäftsführer von Globetrotter und Vorsitzender des Ausschusses Ecommerce im bvh sagt u.a. in seiner Rede anlässlich der Pressekonferenz „Entwicklung des E-Commerce in Deutschland (BtC)“ am 05. November 2008 in Düsseldorf:

"Wir können Ihnen trotz Finanzkrise von einer positiven Entwicklung des E-Commerce berichten. Der Grund dafür ist, dass das Internet ein immer bedeutenderer Bestandteil im Leben vieler Menschen wird. Nachrichten, Videos oder Blogs werden häufig online gelesen bzw. genutzt, und der Handel reagiert auf diese Trends, indem er durch Online-Shops und neue Formen der Produktpräsentation die Kunden erfolgreich individuell anspricht."


Und weiter:

"Das Internet schafft zum Wohle des Kunden eine vorher nie da gewesene Transparenz. Es hat darüber hinaus eigene Formen der Kundenansprache hervorgebracht, die dem Online-Shopping neue Attraktivität verleihen. Bewegtbilder und Internet-Fernsehen stellen Produkte auf ganz neue Art und Weise dar. Social-Commerce wird immer wichtiger, denn die Menschen möchten durch Empfehlungen oder Kommentare die Meinungen anderer Käufer in ihre Kaufentscheidung einbeziehen können. Einkaufen mit Gemeinschaftsgefühl bieten Shopping-Clubs, die exklusiv für ihre Stammkunden besondere Angebote bereithalten. Und bei manchen Seiten kann der Online-Kunde sogar selbst aktiv werden."

Fazit
Der Onlinemarkt wächst weiter und pusht damit den gesamten Distanzhandelsmarkt. Neue Kunden mit verändertem Einkaufsverhalten, neue Wettbewerber und neue (Longtail-) Sortimente treiben die Dynamik im Ecommerce voran. Wer sich schnell und nachhaltig auf diese Marktentwicklungen einstellen kann, hat gute Chancen, zu den Gewinnern zu gehören. Wem dies nicht gelingt, für den sieht die Zukunft nicht rosig aus, wie es auch Martin Groß-Albenhausen vom "Versandhausberater" in dem Beitrag "Götterdämmerung im Versandhandel" in seinem Mailorder-Blog näher ausführt.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Mit multidimensionalen Produktbewertungen beim Kunden punkten und Retouren senken

Inzwischen ist die ACTA 2008 erschienen. Diese jährlich erscheinende Studie zum Online-Nutzungsverhalten der deutschen Bevölkerung lieferte auch dieses Jahr viele interessante Ergebnisse, die u.a. zeigen, wie sich das Einkaufsverhalten der Deutschen im und durch das Internet verändert.
In diesem Beitrag möchte ich den Einfluss von Produktbewertungen durch Internetuser herausgreifen und ein paar Ansätze aufzeigen, wie Onlineshops ihre Produktbewertungen verbessern und damit den Nutzen für ihre Kunden steigern können.

Produktbewertungen durch Nutzer glaubwürdiger als Warentests
In einer frei zugänglichen Präsentation von Dr. Schneller zum Thema "Internetinduzierte Veränderungen von Kaufentscheidungen und Kaufverhalten" wird deutlich, dass Produktbewertungen durch andere Nutzer einen sehr hohen Einfluss auf das Kaufverhalten haben. Diskutiert wurde das Thema z.B. auch schon bei Jochen Krisch oder bei Handelskraft. In einem Gastbeitrag bei statista führt Dr. Schneller vom IfD Allensbach dieses Thema noch weiter aus. Er schreibt dort:
"In letzter Zeit finden daneben zunehmend Kommentare und Bewertungen von anderen Internetnutzern Beachtung, die mit den gewünschten Produkten oder Dienstleistungen schon Erfahrungen gesammelt haben. Fast jeder zweite private Internetnutzer (44 Prozent) berücksichtigt solche Informationen bei seiner Produktauswahl und Kaufentscheidung. Die Mehrheit der Onliner (52 Prozent), die nach Kommentaren und Bewertungen sucht und sie bei der Entscheidung berücksichtigt, ist von deren Verlässlichkeit überzeugt. Dem Urteil der anderen Nutzer, das in Kommentaren oder Bewertungen wiedergegeben wird, schenken potenzielle Käufer damit sogar in höherem Maße Vertrauen als redaktionellen Produktbewertungen (49 Prozent), die von Internet-Seiten von Zeitungen oder Zeitschriften veröffentlicht werden. Online-Informationen der Hersteller trauen dagegen vier von zehn Informationssuchende (39 Prozent)."
Und Dr. Schneller schreibt weiter:
"Besonders auffällig: Je affiner Nutzer für den Onlinekauf sind, desto größer ist die Bedeutung, die die Bewertungen anderer Nutzer bei der eigenen Kaufentscheidung spielen."
(Quelle: "Die Meinung der Anderen" Gastbeitrag von Dr. Schneller auf statista.org)

Ich selbst bin schon seit längerem der Meinung, dass Produktbewertungen eine wichtige Rolle beim (Online-) Einkauf spielen und für jeden Onlineshop unverzichtbar sind. Durch Produktbewertungen kann ein Onlineshop Vertrauen und Bindung der Kunden erhöhen. Mithilfe von Produktbewertungen liefert der Shop dem Kunden eine wichtige Hilfestellung bei der Kaufentscheidung und kann gleichzeitig seine Retourenquote senken. Welche Möglichkeiten ein Onlineshop hat, um den positiven Einfluss der Produktbewertungen zu verstärken, möchte ich im Folgenden anhand von ein paar Best-Practice-Beispielen aufzeigen.

Multidimensionale Produktbewertungen
In deutschen Onlineshops sind Produktbewertungen durch Kunden noch nicht allzu weit verbreitet, und wenn vorhanden, meistens sehr simpel. In der Regel kann der Kunde ein Produkt mit Sternen bewerten und / oder einen Kommentar dazu abgeben. In jeder Hinsicht besser geeignet sind aus meiner Sicht multidimensionale Produktbewertungen, wie sie in amerikanischen Onlineshops schon häufiger zu sehen sind.
Die Aussagekraft der Produktbewertung kann idealerweise in drei unterschiedlichen Dimensionen verbessert werden:

  1. Bewertung der Produktqualität anhand von sortimentsspezifischen Kriterien
  2. Bewertung der Passform eines Produktes anhand von geeigneten Kriterien
  3. Klassifizierung des "Produktbewertenden", damit der Interessent die Relevanz der Bewertung besser einschätzen kann.
Hier zur Verdeutlichung ein paar Beispiele aus unterschiedlichen Branchen:

Bei Technik sind für mich z.B. Valoony, Buy.com, Circuit City und HomeandBeyond.com Best-Practice.
Beispiel Valoony:

Und hier der Link zu den Beispielen von Buy.com, Circuit City und HomeandBeyond.com.

Für Mode findet man Best-Practices u.a. bei REVOLVEclothing.com, Shoes.com, Freshpair, The Finish Line und Zales.
Beispiel REVOLVEclothing.com:
Und hier der Link zu den Beispielen von Shoes.com, Freshpair, The Finish Line und Zales.

In den meisten dieser Beispiele kann der Kunde das Produkt bereits in zwei Dimensionen jeweils anhand mehrerer sortimentsspezifischer Kriterien bewerten und zusätzlich natürlich freien Text eingeben.

Doch die absolute Kür der Bewertung durch User findet man derzeit nicht bei einem Onlineshop, sondern in einer anderen Branche. HolidayCheck - "das Meinungsportal für Reise und Urlaub" - bietet derzeit die beste multidimensionale Bewertung, die ich kenne. Diese Form von detaillierter Bewertung bietet mir als User einen sehr hohen Nutzen und liefert noch viele weitere Ideen, wie auch Onlineshops ihre Produktbewertungen weiter verbessern können.
Beispiel HolidayCheck:
Hier kann ich die Bewertungen nach unterschiedlichen Zielgruppen selektieren, die Bewertungen nach unterschiedlichen Kriterien sortieren und mir den Trend der Bewertungen im Zeitverlauf ansehen. Auf alle Details einzugehen, würde für diesen Beitrag zu weit gehen.

Fazit
Produktbewertungen von Kunden werden immer wichtiger und spielen inzwischen eine bedeutende Rolle beim Einkaufen. Onlineshops können durch Produktbewertungen den Kundennutzen steigern und die Retourenquote senken. Um diese Potentiale optimal zu nutzen, sind aber sortimentsspezifische und multidimensionale Produktbewertungen notwendig.

P.S.:
Dabei müssen Onlineshops nicht zwangsläufig eigene Produktbewertungen entwickeln, sondern können auch auf externe Ressourcen zurückgreifen und diese einbinden. In den USA nutzen z.B. viele Shops die Lösung von PowerReviews.