Dienstag, 20. Oktober 2009

Vente Privée - Interview mit Jacques-Antoine Granjon und Xavier Court

Heute hatte ich die Gelegenheit zwei der Gründer von Vente Privée zu treffen - den CEO Jacques-Antoine Granjon sowie den Marketingdirektor Xavier Court. Beide waren heute zum ersten Mal in Hamburg und hatten mich eingeladen, sie persönlich kennenzulernen und ein Interview zu machen.

Da der E-Commerce-Modemarkt für mich im besonderen Fokus steht und ich das innovative Konzept der Shopping-Clubs zum Teil auch kritisch sehe, war es mir eine besondere Freude meine Gedanken mit den Erfindern und Marktführern des Shopping-Club-Konzeptes zu diskutieren. Das Treffen fand in einer Suite im Side Hotel statt und war durch eine sehr offene und angenehme Atmosphäre geprägt.

Shopping-Clubs und insbesondere Vente Privée schaffen ein besonderes Einkaufserlebnis und werden m.E. vorerst weiter wachsen. Die Besonderheit der exklusiven Verkaufsaktionen verwässert aus meiner Sicht allerdings zunehmend durch die steigende Anzahl der Shopping-Clubs und die starke Zunahme der parallel laufen Aktionen.
Um so mehr war ich gespannt, ob sich diese These auch bei Vente Privée bemerkbar macht. Deshalb wollte ich wissen, wie sich die Click-Rate der Emails entwickelt. Laut Xavier Court ist eine Verwässerung bei Vente Privée nicht zu beobachten. Entgegen meiner These steigen die Click-Rates sogar und liegen bei 45%, d.h. stolze 45% der Einladungs-Emails zu Shopping-Aktionen werden angeklickt und führen zu einem Besuch auf der Website. Weiter wies er darauf hin, dass der durchschnittliche Nutzer nur Mitglied bei zwei Shopping-Clubs ist. Die Kunden von Vente Privée sind durchschnittlich 12 mal im Monat auf der Website - gute Kunden im Durchschnitt sogar 24 mal. Auch die Aktivquote scheint sehr hoch zu sein - mit rd. 8 Mio. registrierten Usern erreicht Vente Privée rd. 6 Mio. Unique Visitors pro Monat.

Weiter bin ich skeptisch, ob das Geschäftsmodell der Shopping-Clubs auch nachhaltig erfolgreich sein wird. Da viele Marken ihre Produktionen drosseln und über weniger Überhänge verfügen, welche sie dazu inzwischen z.T. selbst in eigenen Onlineshops verkaufen, würde ich davon ausgehen, dass die Bedeutung der Shopping-Clubs zurückgehen wird. Dieser These widersprachen beide vehement und mit viel Leidenschaft. Jacques-Antoine Granjon, der über 25 Jahre Erfahrung mit dem Verkauf von Überhängen hat, erwiderte, dass die Marken mit eigenen Sale-Aktionen ihrer Marke Schaden zufügen. Sale-Aktionen müssten selten sein, damit die Marke nicht darunter leidet. Bei Vente Privée haben die Brands die Möglichkeit in nur wenigen Tagen zigtausende von Artikeln aus der letzen Saison zu verkaufen. So waren z.B. am letzten Sonntag in Deutschland in einer Aktion mit Schuhen von Tommy Hilfiger diese bereits nach wenigen Stunden zu 98% verkauft. Deshalb sieht er auch kein Risiko für Marken hinsichtlich der Produktionsplanung, da diese Ihre Überhänge effektiv über Vente Privée abschleusen können. Bemerkenswert fand ich in diesem Zusammenhang auch eine repräsentative Studie, die Xavier Court erwähnte. Demnach steigt die Markenbekanntheit von Marken, die bei Vente Privée verkauft wurden, bei Mitgliedern signifikant. Und 40% der Mitglieder, die in einer Verkaufsaktion einer Marke nichts Passendes finden, gehen danach in die stationären Geschäfte der Marken. Das wäre in der Tat ein überzeugendes Argument für Markenhersteller.

Hinsichtlich der im Vergleich zu Onlineshops schlechten Usability kündigte Jacques-Antoine Granjon in Kürze eine Verbesserung an - so seien Größenfilter und eine aktionsübergreifende Suche z.B. nach Kategorien geplant.

Das nächste Thema, das wir diskutierten, war der Wettbewerb bzw. der USP von Vente Privée. Aus Sicht des CEOs sind Shops wie Yoox keine wirklichen Wettbewerber, da sie immer nur eine relativ kleine Anzahl an Artikeln verkaufen können und damit für die Marken aus seiner Sicht nicht so attraktiv sind. Die große Stärke von Vente Privée gegenüber anderen Shopping-Clubs sieht er darin, dass sich Vente Privée in erster Linie den Marken verpflichtet sieht. Ein partnerschaftliches Verhältnis zu den Marken, für die Vente Privée als Dienstleister handelt, steht eindeutig an erster Stelle. Aus Sicht der Gründer wird ganz automatisch ein USP beim Kunden erzeugt, wenn die Markenhersteller gerne mit Vente Privée zusammenarbeiten. Somit sind auch Grauimporte oder gefälschte Artikel kein Problem für Vente Privée, da diese nur direkt von den Herstellern kaufen und nicht von Großhändlern oder Lizenznehmern. Dies sei wichtig, um das gute Verhältnis zu den Marken nicht zu stören.

Diese besondere Haltung der Vente Privée Gründer zeigte sich auch beim nächsten Thema. Befragt nach Expansionsplänen schlossen sie eine Expansion nach USA oder Asien vorerst aus. In den USA sind reduzierte Preise bei Markenartikeln normal und damit besteht aus Sicht von Jacques-Antoine Granjon ein Nachfragermarkt, in dem das bedarfsweckende Push-Konzept der Shopping-Clubs nicht so gut funktionieren kann. Vente Privée wird sich weiterhin auf den europäischen Markt konzentrieren. Aber auch eine Expansion nach Osteuropa ist vorerst nicht interessant - Vente Privée schaut nach eigenen Angaben nicht wie die Wettbewerber nach eventuellen E-Commerce-Marktpotentialen, sondern konzentriert sich darauf, was für die Hersteller den meisten Nutzen bringt.

Abschließend sprachen wir noch über die Gerüchte, dass Investoren, wie eBay oder Amazon Interesse daran haben sich an Vente Privée zu beteiligen. Jacques-Antoine Granjon, der auch Hauptaktionär von Vente Privée ist, erläuterte glaubhaft, dass er derzeit keine Investoren sucht. Zum einen ist Vente Privée seit längerem profitabel und hat einige Millionen Cash zur Verfügung und zum anderen liebt er seine Freiheit und hat keine Lust sich ins Geschäft reinreden zu lassen. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass der einzige VC Summit Partners, der in 2007 20% der Anteile erworben hat, diese eventuell verkauft.

Laut eigenen Angaben hat Vente Privée im ersten Halbjahr 2009 insgesamt den Umsatz um 40% zum Vorjahr gesteigert. In Deutschland lag der Umsatz im ersten Halbjahr bei 20,6 Mio. Euro, was eine Steigerung von 140% zum Vorjahr ausmacht. In diesem Jahr will Vente Privée mit 1.800 Shoppingaktionen von 850 verschiedenen Marken einen Umsatz von insgesamt 650 Mio. Euro erzielen. Aus meiner Sicht sind auch 700 - 750 Mio. Euro in 2009 noch möglich.

Frühere Beiträge zum Thema:

Amazon expandiert mit Javari das Endless.com-Konzept nach Europa und Asien

Jetzt habe ich es doch ernsthaft verpasst. Nachdem ich bereits letztes Jahr im Mai vorausgesagt hatte (siehe hier), dass Amazon das gelungene Onlineshop-Konzept für Mode (Schuhe und Handtaschen) von Endless.com auch auf andere Länder übertragen wird, ist es inzwischen wahr geworden. Gerade zurück aus dem Urlaub lese ich bei Jochen Krisch (siehe hier), dass Amazon diese Konzept bereits Anfang des Jahres in Japan und jetzt in UK unter dem Namen Javari gelauncht hat. Das ging leider komplett an mir vorbei - zeigt mal wieder, dass zu viel Arbeit nicht immer gut ist :-(

Doch zurück zum Thema: Mit Javari hat Amazon Endless in Asien und Europa "ausgerollt"- hier ein Vergleich von jeweils zwei Screenshots.

Die Dameneinstiegsseite:


Und hier eine Produktdetailseite:



Interessant ist übrigens, dass bei der "Crocs Unisex Cayman Sandal" in USA und UK zwar unterschiedliche Produktbilder verwendet werden, dass bei der Zoom-Ansicht aber die gleichen Bilder genutzt werden. Ganz gut zu erkennen bei der unterschiedlich fotografierten Rückansicht, die in der Zoom-Ansicht völlig identisch ist.

Noch interessanter ist der Vergleich bzgl. der Artikelanzahl - während Endless.com in der Suche 51.111 unterschiedliche Artikel bei Damenschuhen anzeigt, sind es auf der japanischen Javari-Site 14.421 Artikel und auf der englischen Javari-Site "nur" 3.552 Artikel. Zum Vergleich bei Görtz sind es gerade mal 1.999 Arrtikel und bei Zalando 1.464 Artikel - schon erstaunlich, dass Amazon in UK bereits kurz nach dem Start ein recht großes Sortiment anbietet.

Spannend bleibt die Frage, wann Amazon Javari nach Deutschland bringt und ob es hierzulande gelingt, gleich zum Start eine Category-Killer-Position zu übernehmen und die Sortimentsbreite und -tiefe der vorhanden deutschen Player zu übertreffen.

Dienstag, 15. September 2009

myfab jetzt auch in Deutschland gelauncht

Myfab der innovative Online-Möbelshop aus Frankreich wurde jetzt auch in Deutschland gelauncht - myfab Deutschland:


Das Möbelstück, das mir derzeit am besten gefällt, ist das Berlin Sofa:
Innovativ ist myfab in zweierlei Hinsicht:

  1. Bei myfab stimmt die Crowd über neue Produkte ab. D.h. wie Burkhard Schneider schon letztes Jahr im best-practice-business.de/blog berichtete "Jede Woche werden auf der Webseite Produkte vorgestellt, die es noch nicht gibt, sich allerdings die Konsumenten wünschen. Mitglieder auf myfab können abstimmen, welche Produkte sie sich am meisten wünschen. Anschließend werden die Top-Favoriten von den Herstellern produziert und angeboten." Dadurch, dass myfab die Zwischenhändler umgeht und die Artikel dann on demand produzieren lässt, sind diese Möbel und Kunstobjekte dann auch deutlich günstiger als anderswo. "Ein Designersofa, das im Laden 4000 Euro kostet, wird für 200 Euro produziert. Der Rest geht für Zwischenhandel, Transport, Lagerung und natürlich die Margen drauf. Myfab.com schaltet diese Zwischenstufen aus" zitiert der "Netzökonom" Holger Schmidt Jesper Wahrendorf, der zuletzt Leiter Business Development Neue Medien bei Otto war und nun Deutschland-Chef des französischen Start-ups Myfab.com geworden ist.
    Dieses Abstimmungsprinzip würde ich mir auch für andere Produkte wünschen, z.B. bei Handys oder Fahrrädern wäre das super, zumal es gerade den Handy-Herstellern nicht gelingt, mal ein Handy zu produzieren, das alle Funktionen vereint, die ich mir als Nutzer wünsche.
  2. Innovativ ist myfab damit auch hinsichtlich des Geschäftsmodells.
    Nach der Abstimmung können die Möbel gekauft werden und gehen danach in die Produktion - siehe Übersicht:
Somit bietet myfab eine Win-Win-Situation für den Händler und den Kunden. Das wurde bisher auch von den Venture Capitalisten honoriert, von denen BV Capital und Alven Capital in einer zweiten Finanzierungsrunde 5 Millionen Euro investiert haben. Weitere Hintergründe auch bei Jochen Krisch.

Lange Lieferzeiten ist man im Möbelhandel ja gewohnt - auch wenn das heutzutage absurd anmutet. Gespannt bin ich auf die Qualität - hoffentlich gibt es bald Kundenmeinungen oder -bewertungen zu lesen.

Auf jeden Fall wünsche ich dem deutschen myfab-Team viel Erfolg und freue mich auf die kommenden Möbelideen zur Abstimmung. Anmelden kann man sich schon hier, allerdings ist „Jetzt Abstimmen!“ noch nicht verfügbar, soll aber in Kürze folgen.

P.S.: Eine Anregung hätte ich noch - vielleicht findet sich ja auch ein einheimischer Möbel-Hersteller, den man in dieses Geschäftsmodell integrieren kann. Könnte ja sein, dass die Kunden auch bereit sind, auf einen Teil der möglichen Ersparnisse zu verzichten, wenn sie die Möbel dafür eventuell schneller bekommen, die Umwelt durch kürzere Transportwege schonen und gleichzeitig die Industrie vor Ort unterstützen.

Samstag, 18. Juli 2009

Social Shopping bei Zappos - my.zappos

Im Online-Schuhmarkt ist zur Zeit viel Bewegung. Die größte Überraschung war für mich, dass Zappos vor 22 Stunden mit my.zappos eine Art Social-Shopping-Site gelauncht hat:


Wenn man sich eingeloggt hat kann man als erstes seinen Kleiderschrank füllen und sein Twitter- und Facebook-Profil mit dem my.zappos-Profil verknüpfen.

Welche Funktionen im Detail drinstecken werde ich mir mal in Ruhe anschauen.

Insgesamt passiert ja viel bei Zappos: Nachdem schon länger mit Zappos.zeta eine neue Version der Website online ist, probiert Zappos inzwischen unter explore.zappos auch eine Visual Search /Ähnlichkeitssuche aus, die meines Erachtens besser ist, als die von z.B. like.com oder anderen Wettbewerbern und von Modista stammt:


Im deutschen Onlinemarkt für Schuhe war in den letzten Wochen Ladenzeile.de die größte Innovation. Mit Ladenzeile.de gibt es jetzt nach smatch immerhin die zweite deutsche Social-Shopping-Site für Mode. Ladenzeile hat derzeit den Schwerpunkt Schuhe, biete aber auch Taschen, Mode und Möbel. Übrigens auch mit einer visuellen Ähnlichkeitssuche.
Recht altbacken wirkt dagegen der Relaunch von Deichmann, von dem ich kein Bild posten kann, da die Seite scheinbar gerade offline ist.

Im Frühjahr gab es ja bereits den Relaunch von Görtz (siehe älterer Beitrag).

Sonntag, 3. Mai 2009

Was kann der deutsche Onlinemarkt für Schuhe von Zappos und Sarenza lernen?

Ende 1999 hat Zappos damit begonnen den amerikanischen Schuhmarkt zu revolutionieren. Mit einem klaren USP, als Category Killer im Bereich Schuhe sowie mit außergewöhnlichen Serviceleistungen und einer hohen Kundenorientierung, die auch persönliche Beratung am Telefon einschließt, konnte Zappos viele amerikanische Kunden vom Onlineschuhkauf überzeugen. Mittlerweile hat Zappos in 2008 mit über 10 Mio. Kunden eine Onlinenachfrage (Gross Sales) in Höhe von rd. 1 Mrd. US-$ erzielt. Besonders ist bei Zappos die hohe Kundentreue, die dazu führt, dass 75% der Käufe von Stammkunden getätigt werden. Diese und weitere Infos hier in der Präsentation des CEO Tony Hsieh vom 29.4.09 bei Slideshare.

Inzwischen hat der französische Zappos-Klon Sarenza, der Ende 2005 online ging, auch den Erfolg des Konzeptes für den europäischen Markt bewiesen. Wie der Figaro am 10.4. in einem Artikel berichtete hat Sarenza im September 2008 den Break-Even erreicht und den Umsatz in 2008 auf 20 Mio. Euro gesteigert. Gleichzeitig wurde bekanntgegeben, das Sarenza eine Kapitalerhöhung in Höhe von 3 Mio. Euro durchgeführt hat, um damit die europäische Expansion zu beschleunigen. An der Kapitalerhöhung waren Stéphane Treppoz und Hélène Supau aus dem Management mit 2 Mio. Euro beteiligt, da Ihnen die Konditionen der VCs nicht gefallen hatten. Zusätzliche Infos siehe hier.

Der deutsche Onlinemarkt für Schuhe hat dagegen noch Potential. Bisher hat sich meines Erachtens noch kein Wettbewerber durchgesetzt. Zwar hat Görtz kürzlich mit dem Relaunch einen Schritt nach vorne gemacht (siehe früherer Beitrag hier) und der Newcomer Zalando ist Ende 2008 mit Zappos-Elementen gestartet (siehe früherer Beitrag hier), doch hat bisher nur knapp unter 1.000 Styles im Shop.
Ein aufregender Onlineshop für Schuhe, der zugleich auch eine Category Killer Position anstrebt, ist hierzulande bisher nicht vorhanden.

Was der deutsche Schuhmarkt von Zappos (und Sarenza) lernen kann, hat Tony Hsieh bereits im letzten Jahr auf der Etail Europe Conference im letzten Jahr erzählt: „Top 10 Lessons Learned in eCommerce“.

Samstag, 2. Mai 2009

Update aus dem Online-Modemarkt 2009: Bekleidung boomt weiter - Amazon gegen OTTO, Quelle & Co

Das letzte Jahr brachte wieder Wachstum für den Online-Modemarkt. Wir erinnern uns in der Pressemitteilung vom 05.11.08 berichtete der bvh, das in 2008 insgesamt 31,44 Mio. Online-Käufer 13,4 Mrd. Euro für Waren im Internet ausgegeben haben. Der Onlineumsatz für Bekleidung, Textilien und Schuhe stieg um 18,2% auf 4,6 Mrd. Euro in 2008 - damit war Mode die umsatzstärkste Warengruppe im Internet.

Letzte Woche - am 24.4.2009 gab GfK die Ergebnisse des Online Shopping Survey 2009 bekannt: Demnach war Mode auch gemessen an der Zahl der Online-Käufer in 2008 erstmals auf den Spitzenplatz - mit 12,6 Mio. Käufern (+ 1,1 Mio. zu 2007).

Wenn man die Zahlen zueinander in Beziehung setzt, haben die 12,6 Mio. Online-Käufer für Mode durchschnittlich 365,- Euro in 2008 für Bekleidung und Schuhe ausgegeben.

Spannend ist natürlich die Frage, wie sich dieses Marktpotential auf die einzelnen Wettbewerber aufgeteilt hat. Leider gibt es dazu keine genauen Daten, so dass man nur eine grobe Überschlagsrechnung machen kann. Hier die geschätzten Umsätze und Marktanteile in der Übersicht (wer sich für die Herleitung der Zahlen interessiert, findet diese am Ende des Artikels).


Das große Marktpotential im Online-Modemarkt wird natürlich weiterhin zu spannenden Entwicklungen führen und auch weiterhin neue Wettbewerber anlocken.
Doch auch die größten Onlinehändler in Deutschland - Amazon und die Otto Group - sind aktiv dabei ihre Marktanteile im Modemarkt weiter auszubauen.

Amazon denkt darüber nach, auf eigene Rechnung ins Modegeschäft einzusteigen. Die Deutschlandtochter nimmt damit den Kampf mit den großen Versandhäusern auf, berichtete das Handelsblatt am 27.4.09 im Artikel „Amazon prüft Einstieg in die Mode“. Aber schon durch die bisherigen Verkäufer auf der Amazon-Plattform ist Amazon der Onlineshop mit dem größten Angebot für Mode geworden (siehe früherer Beitrag). Und mit Endless hat Amazon bereits bewiesen, das sie auch Modesortimente kompetent online verkaufen können. Ich würde damit rechnen, dass dieses Konzept auch auf andere (Mode-) Sortimente und Länder übertragen wird.

Und Otto plant mit YaLook einen neuen Onlineshop für Fashion, der den Online-Modemarkt mit einem hochattraktiven Portfolio an profilierten Modemarken erobern will - berichtete diese Woche Jochen Krisch in Exciting Commerce.

Herleitung zur Abschätzung der Umsätze / Marktanteile

Disclaimer: Alle Ableitungen stellen nur grobe Schätzungen dar, die es ermöglichen sollen ein Gefühl für den deutschen Onlinemarkt für Mode zu bekommen.

Amazon hatte 2007 zum ersten Mal über 1 Mrd. Umsatz in Deutschland gemacht (siehe hier). In 2008 konnte Amazon den Umsatz im internationalen Geschäft um 33% steigern. Wenn diese Entwicklung auch in Deutschland zutrifft, hätte Amazon in 2008 1,33 Mrd. Euro Umsatz in Deutschland gemacht. Insgesamt entfielen in 2008 39% des Umsatzes auf die Sortimente Electronics & Computers, Devices, Home & Garden, Toys, Kids & Baby, Grocery, Apparel, Shoes & Jewelry, Health & Beauty, Sports & Outdoors, Tools, Auto & Industrial (siehe hier). Somit hätte Amazon in Deutschland rd. 0,5 Mrd. Euro mit diesen Sortimenten gemacht. Den Anteil von Bekleidung würde ich auf max. 10% schätzen, dann käme Amazon 2008 auf einen Onlineumsatz für Bekleidung und Schuhe in Höhe von 50 Mio. Euro in Deutschland.

Die Otto Group gibt für das Geschäftsjahr 2008/09 eine Online-Nachfrage in Höhe von 4 Mrd. Euro für Deutschland an (siehe hier). Um die Online-Nachfrage mit den Nettoumsätzen vergleichbar zu machen, würde ich einen Abschlag von 40% machen - den Umsatzanteil von Bekleidung würde ich auf ca. 60% schätzen, somit würde der Onlineumsatz der Otto Group für Bekleidung und Schuhe in 2008 bei rd. 1,4 Mrd. Euro liegen.

Arcandor weist im Geschäftsbericht 2007/08 für die Primondo Gruppe einen Umsatz in Höhe von rd. 4,3 Mrd. Euro aus. Abzüglich der 605 Mio. Euro für das internationale Geschäft verbleiben rd. 3,7 Mrd. Euro in Deutschland (siehe hier). Im Geschäftsbericht kann man auch lesen, dass 40% aller Bestellungen bei Quelle über das Internet eingehen - vereinfacht gerechnet liegt dann der gesamte Onlineumsatz der Primondo Gruppe in Deutschland bei rd. 1,5 Mrd. Euro. Mit einem geschätzten Umsatzanteil von 50% für Bekleidung würde der Onlineumsatz der Primondo Gruppe für Bekleidung und Schuhe in 2008 bei rd. 0,7 Mrd. Euro liegen.

Bei den weiteren Wettbewerbern im Onlinemarkt für Mode würde ich folgende Umsätze in 2008 (nur für Bekleidung und Schuhe) schätzen:

Freitag, 1. Mai 2009

In eigener Sache: Ecommerce und Multichannel-Handel bei diligenZ

Jetzt komme ich endlich mal wieder dazu im Blog zu schreiben und möchte als Erstes über eine Veränderung in eigener Sache berichten.

Nachdem ich etwas über sechs Jahre Strategieberatung für Unternehmen als freier Berater gemacht habe, habe ich jetzt vor ein paar Wochen wieder bei einem Unternehmen angeheuert.

Der Wechsel kam für mich selbst überraschend und war eigentlich nicht geplant. Als ich über ein Projekt Andreas Haug von diligenZ kennengelernt hatte, erhielt ich kurz darauf das Angebot von diligenZ für diese tätig zu werden.

Bisher konnte ich mir eine Tätigkeit für eine Unternehmensberatung nicht vorstellen, doch diligenZ hat mich überzeugt. Das gute Team, die spannenden Projekte und eine Unternehmenskultur, die Individualität zulässt und fördert, waren für mich die Gründe für diese Entscheidung.

Auch bei diligenZ bin ich weiterhin als Berater mit dem Fokus auf Strategie für Handel und Ecommerce tätig.

Diligenz ist übrigens ein altes Wort, dass Sorgfalt, Umsicht und Fleiß bedeutet.

Selbstverständlich werde ich hier in meinem Blog weiterhin völlig unabhängig über meine persönliche Meinung zu Themen rund um Ecommerce, Multichannel-Handel etc. schreiben.

Sonntag, 1. März 2009

Exklusiver Preview auf den Relaunch von Görtz

Letzte Woche habe ich Cornela und Marc getroffen, zwei alte Bekannte, die bei Görtz arbeiten und sich dort um den Onlineshop kümmern.
Die beiden erzählten begeistert von dem Relaunch des Onlineshops und haben mir einen Link zur Verfügung gestellt, der mir einen Einblick verschaffte, welche Neuerungen und Verbesserungen der Relaunch mit sich bringt.

Während in den USA im Onlinemarkt für Schuhe ein starker Wettbewerb herrscht, in dem u.a. Zappos, Endless, Heels.com, shoebuy.com und shoes.com schon auf sehr hohem Niveau agieren, wirkt der deutsche Onlinemarkt für Schuhe noch etwas stiefmütterlich. Um so mehr war ich gespannt, ob es mit dem Relaunch von Görtz auch hierzulande mal einem großen Schuh-Onlineshop gelingt, sich diesen amerikanischen Benchmarks zu nähern.

Hier also meine Eindrücke.

Die neue Görtz Homepage
Die neue Startseite wirkt, im Vergleich zu der bisherigen, sehr viel moderner und erscheint, obwohl sie jetzt mehr Inhalte als die bisherige Startseite beinhaltet, aufgeräumter und ruhiger.

Gut gefällt mir, dass der Kunde zu allen wichtigen Bereichen der Site jetzt einen direkten Zugang findet. Ein wichtiger Aspekt für Onlineshops wurde hier realisiert - der Kunde kann unterschiedliche Zugänge ins Sortiment wählen. Neben den Sortimenten und direkten Links in die Untersortimente kann der Kunde auch anhand von Markenshops, Trends und Sets durch die Artikel stöbern. Ganz neu dabei ist der Bereich Sets, in dem Kunden zueinander passende Artikel in Produkt-Collagen à la polyvore entdecken und bewerten können.

Mit diesem neuen Zugang ins Sortiment schafft Görtz für Kunden eine Inspirations- und Erlebniskomponente und differenziert sich damit von den Wettbewerbern (sogar von den amerikanischen). Spannend wird sein, inwieweit auch Kunden zukünftig Sets erstellen können und wie stark dies dann genutzt wird.

Einstiegsseite ins Sortiment
Nach dem Klick auf z.B. "Schuhe" - "Damen" ist der Kunde im Gegensatz zum alten Onlineshop direkt bei den Produkten und bekommt die einzelnen Schuhe angezeigt.Hier gefällt mir, dass man nicht mehr unbegrenzt scrollen muss, sondern sich durch einzelne Seiten navigieren kann. Besonders hilfreich finde ich, dass man jetzt auch die Filter nach Form, Farbe und Marke miteinander kombinieren kann, um somit schneller zu den gewünschten Artikeln zu kommen.

Verbesserungspotential gibt es m. E. in zwei Punkten:

  • Die intuitive Bedienbarkeit der Filter würde sich durch eine Anordnung auf der linken Seite mit teilweise ausgeklappten Filtern noch weiter erhöhen. Hierfür ist z. B. Endless ein Benchmark. Die horizontale Anordnung der Filter und der Zugriff über Layer sind für mich nicht intuitiv.
  • Weiter sollte sich die Produktliste / Produktübersicht in Onlineshops nach unterschiedlichen Kriterien sortieren lassen. Eine Auswahl bzgl. der Sortierung nach Preis, Neuheiten, Beliebtheit und Bewertung halte ich bei einer großen Auswahl für wichtig.
Die Artikeldetailseite
Die neue Artikeldetailseite bei Görtz ist wesentlich verbessert worden.

Bei der Artikeldetailseite gefällt mir zuerst das gelungene, moderne Layout, das an ein wenig an asos und NET-A-PORTER.COM erinnert.
Insgesamt wirkt die Artikeldetailseite sehr aufgeräumt und bietet alle wichtigen Details auf einen Blick. Dazu gehören neben Artikelbildern und Detailbeschreibung auch Produktempfehlungen sowie Pflegetipps.
Auch bei den Artikelbildern gibt es wesentliche Verbesserungen - neben den unterschiedlichen Ansichten und dem stufenlosen Zoom gibt es jetzt auch eine 3D-Rund-um-Ansicht und ein Bild, das den Schuh am Fuß zeigt - ein must-have für die Artikeldarstellung bei Schuhen.

Verbesserungspotential sehe ich vor allem hinsichtlich der (noch?) fehlenden Bewertungsfunktion. Die multidimensionale Produktbewertung durch den Kunden, also auch bzgl. der Passform ist aus meiner Sicht ein wichtiges Feature, dass Interessenten bei der Kaufentscheidung hilft (mehr dazu hier).

Fazit
Mit dem Relaunch schafft Görtz einen großen Schritt nach vorne und wird damit hoffentlich den etwas zurückgeblieben deutschen Online-Schuhmarkt positiv beeinflussen. Neben dem Newcomer Zalando (Bericht dazu hier) gelingt es Görtz, als einem der ersten Marktführer, hinsichtlich Layout, Navigation und Features zu den amerikanischen Best-Practices aufzuschließen. Durch die Integration von Sets à la polyvore schafft Görtz darüber hinaus noch eine zusätzliche Inspirationsquelle für Schuhkäufer.

Dem Team von Görtz an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zu dem gelungenen Relaunch. Der neue Shop, der übrigens Demandware als E-Commerce-Plattform nutzt, soll im Laufe der Woche live geschaltet werden.

Für die internationale Top-Liga der Online-Schuhshops reicht es allerdings noch nicht ganz - hierzu sind insbesondere Produktbewertungen, intuitiver bedienbare Filter und Sortiermöglichkeiten für Produktlisten und Suchergebnisse notwendig.

Mit meiner etwas umfangreicheren Rezension konnte ich hoffentlich auch anderen Start-Ups und Onlinehändlern im Modebereich Anregungen für den eigenen Shop liefern.

Hier abschließend noch drei Übersichtsbilder, die den direkten Vergleich bzgl. dem neuen und alten Onlineauftritt zeigen:

Freitag, 30. Januar 2009

Amazon trotzt der Krise und steigert Umsatz in 2008 um 29% auf 19,2 Mrd.

Gestern und heute hat Amazon detaillierte Zahlen für 2008 veröffentlicht.
Insgesamt konnte Amazon weltweit die Umsätze um 29% von 14,8 Mrd. US-$ in 2007 auf 19,2 Mrd. US-$ in 2008 steigern.
Dabei erzielte Amazon in Nordamerika eine Umsatzsteigerung in Höhe von 26% und in den anderen Ländern sogar eine Umsatzsteigerung in Höhe von 33%.

Bezogen auf die einzelnen Segmente teilte sich der Umsatz in 2008 wie folgt auf:

  • Media (Books, Movies, Music, Digital Downloads, Software, Video Games): 11,1 Mrd. US-$.
  • Electronics & Other General Merchandise (Electronics & Computers, Devices, Home & Garden, Toys, Kids & Baby, Grocery, Apparel, Shoes & Jewelry, Health & Beauty, Sports & Outdoors, Tools, Auto& Industrial): 7,5 Mrd. US-$.
  • Other (Amazon Enterprise Solutions, Amazon Web Services, Co-branded Credit Cards & Miscellaneous Marketing): 0,5 Mrd. US-$.
Interessant ist auch zu lesen, was sich Amazon den Lieferservice inkl. Amazon Prime kosten lässt, um damit Kunden zu gewinnen und zu binden. Laut dem 10-K SEC Filing hat Amazon weltweit in 2008 835 Mio. US-$ über Versandkosten und Amazon Prime Gebühren etc. eingenommen. Die gesamten Ausgaben für die Lieferungen betrugen rd. 1,5 Mrd. US-$ - somit wurde der gesamte Lieferservice in 2008 mit 630 Mio. US-$ "gesponsort".
Amazon schreibt dazu:
"We believe that offering low prices to our customers is fundamental to our future success. One way we offer lower prices is through free-shipping offers that result in a net cost to us in delivering products, as well as through membership in Amazon Prime. To the extent our customers accept and use our free shipping offers at an increasing rate, including memberships in Amazon Prime, our net cost of shipping will increase. We seek to partially mitigate the costs of lowering prices over time through achieving higher sales volumes, negotiating better terms with our suppliers, and achieving better operating efficiencies."

Und hier die Quellen:

Montag, 26. Januar 2009

Kopf-an-Kopf-Rennen der Shoppingclubs in Deutschland - Vente Privée und brands4friends bei 25 Mio. Euro Umsatz

Nach einer neuen Pressemitteilung von heute, dem 26. Januar 2009, hat brands4friends in 2008 einen Umsatz von über 25 Mio. Euro erreicht (Pressemitteilung / PDF).
Damit liefern sich die Shoppingclubs Vente Privée und brands4friends in Deutschland ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wie Jochen Krisch in Exciting Commerce berichtete, rechnete Vente Privée - laut einem Interview mit der Internet World Business (online nicht zugänglich) im Dezember - ebenfalls mit einem Umsatz in Höhe von 25 Mio. Euro in Deutschland.
Etwas dahinter liegt vermutlich BuyVIP, welche bisher keine Umsätze für 2008 kommuniziert haben. Wie man ebenfalls bei Exciting Commerce lesen konnte, hatte BuyVIP im ersten Halbjahr 2008 einen (europaweiten) Umsatz in Höhe von 12 Mio. Euro erzielt. Wenn man für BuyVIP einen Umsatz in Höhe von 15 Mio. Euro in Deutschland annimmt, haben diese drei Shoppingclubs 2008 in Deutschland zusammen rd. 65 Mio. Euro Umsatz gemacht.

Insgesamt gibt es in Deutschland bisher 14 Shoppingclubs - eine aktuelle Übersicht dazu bei exclusified!. Auch wenn die anderen Shoppingclubs teilweise deutlich kleiner sind, rechne ich damit, dass der Gesamtumsatz der Shoppingclubs in Deutschland in 2008 schon bei ca. 100 Mio. Euro lag.

Europaweit führt ganz klar Vente Privée mit einem - laut eigenen Angaben - prognostizierten Umsatz in Höhe von 600 Mio. Euro für 2008 (via exclusified! und Seedfinance) und 6,5 Mio. Mitgliedern (via Pressemitteilung).

Natürlich werden Umsätze und Marktanteile der Shoppingclubs noch eine ganze Weile weiter wachsen und sich in den nächsten Jahren, trotz des jetzt schon beachtlichen Niveaus, weiter vervielfachen.
Die Besonderheit der exklusiven Verkaufsaktionen verwässert aber zunehmend durch die steigende Anzahl der Shoppingclubs und die starke Zunahme der parallel laufen Aktionen. Dadurch besteht die Gefahr, dass Shoppingclubs immer mehr normalen Onlineshops ähneln, ohne deren Vorteile zu bieten.
Deshalb werden sich aus meiner Sicht in diesem Markt mittelfristig Wettbewerber profilieren, die auch jenseits vom niedrigen Preis Kundenzufriedenheit und Kundenbindung schaffen. Ansatzpunkte dafür bieten sich insbesondere bei Verbesserungen in der Usability und im Service.
Mehr dazu in einem älteren Beitrag: "Verwässern die exklusiven Shoppingclub-Konzepte allmählich?"